Original

6. Mai 1926

Auf dem Grammophon war grade eine C@ platte gelausen. Man war begeistert. Einer erz@ daß der Kehlkopf des Sängers in Spiritus aufbe@ wird, ein anderer wußte, wieviel Caruso in Ame@ für einen Abend bekommen und wieviel Millione@ hinterlassen hatte.

„Dem einen seine Eule dem andern seine Na@ gall, zitierte ein Dritter. Und knüpfte daran @ Geschichte eines Mannes, dem seine schöne Sti@ zum Unglück geraten war.

„Eine schöne Stimme - ich meine die klang@ tiefe Bruststimme, die ein Herold der Männl@ ist - kann dem zum Unheil gereichen, der davon@ schlechten Gebrauch macht. Ich kenne mehrere M@ die eben durch ihre schöne Stimme in den Ruf von@ Doch ich will nicht vorgreifen. Ich erzähle Ihner@ Geschichte des Herrn - ich nenne ihn Rollinger@ seine Stimme so donnergleich rollen konnte.

Herr Rollinger verkaufte in seinem Viertel@ besten Limburger Käse und auch seine üb@ Kolonialwaren standen bei den Hausfrauen im be@ Ruf. Viele von ihnen zogen den Laden des He@ Rollinger vor, weil der Mann diese warme Sti@ hatte, die über sein ganzes Wesen etwas Sy@ sches ausgoß und alle Frauenherzen mit Vert@ füllte bis an den Rand.

„Rollinger!“ sagte zu ihm sein Nachbar, der b@ Sparkasse schrieb. „Rollinger, du hast Millione@ der Gurgel. Hättest du sie bloß heraus!“

Rollinger schüttelte mißbilligend den Kopf,@ er war nicht für leichtfertiges Gerede. Er tat sich@ etwas darauf zugut, daß er sich aber auch gar@ Mühe gab, die Millioneuschätze in seiner Gu@ heben. Die Leute sollten von ihm sagen: Nein,@ Rollinger, wenn er bloß wollte!

Aber insgeheim freute er sich seiner Stimme,@ wenig unbewußt sogar. Es war ihm ein phy@ Genuß, sie rollen zu lassen, die Schwingungen@ Kehlkopfs zu spüren, wie sie sich durch seine@ Körperlichkeit fortsetzten. Sein Lebensgefühl@ dadurch gesteigert. Jede Mokeküle in ihm sang für@ Teil die Jubelhymne des Lebens.

Redete er, so ganz von unten herauf, aus @ dunkeln Tiefen seiner Männlichkeit, so schwang @ nur sein eigenes Zellengewebe, nein, jeder der @ hörte, stand mit im Kreis dieser Schallwellen,@ in seiner Brust, in seinem ganzen Menschen die @ zitternde Erschütterung.

Das wurde Herrn Rollingers Unglück.

Er gelangte dahin, daß er redete, ohne etw@ sagen zu haben, und sagte darum notwendige@ Dummheiten.

Er hatte nie im Ruf eines besonders beg@ Meuschen gestanden, aber er hatte sich auch nie@ dem Auspruch auf besondere Borniertheit vor @ Front gedrängt.

Jetzt tat er es. Jetzt sagten die Leute von @ Dieses Kamek von Rollinger. Oder sie sagten „@ mang“.

Eigentlich war es gar nicht so dumm, was @ Rollinger sagte. Es war meist sogar sehr richti@ sagte zum Beispiel: Wenn der Franken anhal@ weiter falle, so sei er am Ende gar nichts mehr @ Dergleichen Wahrheiten werden ruhig hingeno@ wenn einer sie unauffällig von sich gibt. Vers@ aber damit eine ganze Wirtsstube in Schwing@ also daß sie an den entferntesten Tischen ihr Ge@ unterbrechen und aushorchen und die Skatspiel@ der Zerstreuung falsche Karten aufwerfen, so@ es nicht lange, bis er in den Ruf gerät, in den@ Rollinger, wie oben bemerkt, infolge seiner@ Bruststimme wirklich geriet.

Andrerseits rückte er aber auch in den Mittc@ des Interesses und wurde bald zum Kassierer, @ zum Vorsitzenden des Kaninchenzüchtervereins @ Viertels. Nie ist die Bedeutung des Kaninche@ das moralische und körperliche Wohlergehen der @ völkerung so sonor ins Licht gehoben worde@ @urch Herrn Rollinger während seiner Präsidentschaft.

Nach Ablauf seines Mandats wurde er nicht wieder@ählt. Er weiß noch heute nicht weshalb.

Ich weiß es. Seine Stimme kam allen Mitgliedern @es Vereins, vielleicht sogar auch den Kaninchen zum @ls heraus, sie kam dem ganzen Viertel zum Hals @aus, die Hausfrauen fanden allmählich, daß sein Limburger weniger durch war, als der des Konkurrenten, und daß Herr Rollinger mit seiner wunder@önen Stimme wirklich wenig zu sagen wußte.

Ohne seine Stimme hätte Herr Rollinger es mög@herweise zum Stadtrat gebracht. Sie ist ihm zum @nheil geraten. Darum habe der Schöpfer ein Einschen und gebe Verstand nicht nur allen, denen er ein Amt, sondern auch allen, denen er eine Orgel@imme gibt!“

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    Katalognummer BW-AK-014-3173