Das muß man der katholischen Kirche und denen, die in ihrem Bannkreis tätig sind, neidlos lassen: Sie weiß zu repräsentieren, Eindruck auf die Massen zu machen, bei ihren Veranstaltungen das Malerische hervorzukehren, alles Eindrucksvolle an Personen und Dekorationen einzusetzen.
Am Samstag Nachmittag hielt der Kongreß Katholischer Mädchenschutzvereine eine Sitzung im großen Saal des Cercle ab. Am Vorstandstisch saßen eine ordengeschmückte Baronin, zwei Bischöfe, ein schweizer Professor, vor der Türe stand ein galonierter Diener und ließ darauf schließen, daß der Hof drinnen ebenfalls vertreten war. Alles sah farbig und feierlich aus und beeindruckte die Anwesenden zweiselsohne nachhaltig.
War man über diesen äußeren Eindruck weg, so sah man sich näher um und bemerkte an der Wand ein weißes Plakat, das in der Diagonale gelb überstreift war und einen Aufruf zum Beitritt nebst Erläuterungen über das Werk enthielt.
Daraus war zu entnehmen, daß die katholischen Mädchenschutzvereine ihre Tätigkeit auf verschiedene Weise ausüben.
Eine erste Weise besteht in den Korrespondentinneu, die sie unterhalten. Diese haben die Pflicht, dahin zu wirken, daß die jungen Mädchen zuhause in ihren Familien bleiben, oder daß sie, wenn sie dies nicht wollen, an ihrem Wohnsitz Beschäftigung finden. Also möglichst nahe am Elternhaus.
Dies wird jede luxemburger Hausfrau mit beiden Händen unterschreiben.
Man darf sich also Gott sei Dank darauf gefaßt machen, daß sich in nächster Zukunft allüberall im luxemburger Land Korrespondentinnen auftun werden, die sich zur Aufgabe setzen, die luxemburger Mädchen in ihrer Heimat festzuhalten, im Gegensatz zu dem, was gewisse Stellen heutzutage tun, die als Exporthäuser für Mädchen bekannt sind.
Diese Korrespondentinnen werden den luxemburger Mädchen sagen: Märry, Kätty, Sisy, Le’ni, laß dich nicht beschwätzen, bleib im Land und nähre dich redlich. Nimm eine Stelle in deiner Heimat an. Du wirst nicht soviele Franken im Monat verdienen und nicht soviel französische Brocken lernen. Du kommst vielleicht nicht in ein großes Schloß mit einem Park und einem Springbrunnen davor und einer adligen Herrschaft, die allerdings fromm und gottesfürchtig ist, aber die vielleicht einen Sohn hat, der unter die Kinder der Welt gegangen ist, oder einen Kammerdiener oder Chauffeur oder Gärtnerburschen, von denen du allerhand lernen wirst, französisch und vieles, was ein junges Mädchen nicht zu wissen braucht, um glücklich zu werden.
Solche und ähnliche Ratschläge werden die Korrespondentinnen den Märry, Kätty, Sisy und Le’ni geben, aber es ist hundert gegen eins zu wetten, daß sie in den Wind reden werden, und daß nach wie vor die Exporthäuser für luxemburger Mädchen goldne Geschäfte machen, daß nach wie vor, jahraus jahrein, Hunderte von gesunden, braven Dingern mit ihren Koffern über die Grenzen fahren werden, um französisch und savoir vivre zu lernen, und daß wir nach wie vor die Exporteure für eine Arbeitskraft bleiben werden, die im eignen Land immer seltener wird.
Es ist zu fürchten, daß daran leider kein Kongreß eiwas ändern kann.