Original

16. Mai 1926

Einer, der am eigenen Leib erfahren hat, wie gesund das Lachen ist, gibt ein Büchlein heraus, aus dem seine luxemburger Landsleute das Lachen lernen sollen.

Er nennt sich „den Reckel“ und jeder kennt ihn.

Wenn einer dazu geeignet war, ein luxemburger Witzbuch herauszugeben, so war er es. Denn wo an einem Stammtisch Witze erzählt werden, ist immer einer, der fragt, ob sie schon den neuesten vom Thossen Neckel kennen. Und dann ist mit Bestimmtheit darauf zu rechnen, daß nach zwei bis drei Minuten ein wieherndes Gelächter losbricht.

Es gibt Sammlungen von Witzen aller Art, Studentenwitze, Judenwitze, Jägerwitze, Börsenwitze, Pastorenwitze, Gascogner Witze, Witze der Irländer, Witze der Amerikauer, der Neger, der Eskimos usw. usw. Warum sollen wir nicht ein luxemburger Witzbuch haben?

Schwer war es. Zumal seit Jahren der „Gukuk“ den Rahm von der Suppe schöpft. Trotzdem hat der Neckel 200 Stück gesammelt, die ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Sie sind nicht alle zwischen Schengen und Weiswampach gewachsen und sie sind nicht alle nen. Aber wo gibt es heute noch einen neun Witz? Die ältesten sind immer die besten. Sie bleiben ihrer Wirkung immer gewiß Sie haben es in sich, daß sie auf das Lachen wirken, wie der Zünder auf die Schießbaumwolle. Wenn Du sie hörst, sorge dafür, daß Du den Mund nicht voll hast, willst Du nicht Deinen Nachbarn von gegenüber anspritzen. Denn das Lachen überfällt Dich widerstandslos. Es bricht rücksichtslos aus Dir heraus, wie der Schampus aus der Flasche, wenn der Pfropfen geknallt hat.

Solche Witze findest Du viele in der Sammlung. Und Du wirst finden, daß der Neckel recht hatte, als er seinem Büchlein das Motto voranstellte: Lachen ist gesund! Mit einer Einschränkung, meint er. Du darsst überall lachen, nur nicht in der Kirche und auch nicht, während Du rasiert wirst. Sonst überall. Sogar überm Zahnziehen. Dafür haben sie sogar ein eigenes Gas erfunden. Idee! Beim nächsten Krieg sollten sie sich gegenseitig nur mit Lachgas vergasen, wetten, daß sie sich sofort wieder vertrügen.

Durch dies Büchlein weht ein wenig von dem Geist des alten Rabelais, wie ja auch sein Verfasser sehr wohl in ein Werk des berühmten Pfarrers von Mendon gepaßt hätte. Er ist mit den Wangengrübchen gesegnet, in denen das Lachen und der Schelm nisten, und wo er sitzt, da wächst in weiter Runde kein Unkraut von Langeweile.

Hast Du die 200 Witze zu Ende gelesen, so vergiß beileibe nicht, auch den Anhang zu genießen. Es ist eine Sammlung von luxemburger Sprüchen und sprichwörtlichen Redensarten, von denen viele bis jetzt nirgends verössentlicht sind. Mit einer Treffsicherheit ohnegleichen faßt das Volk seine Erfahrung und Lebensweisheit in knappe Sentenzen, die an malerischer Anschanlichkeit in den Werken der Intellektuellen ihresgleichen suchen. Mit innigem Genuß hört und liest man diese Sprüchlein, die einen ob der vielen Dummheit der Welt sreundlich trösten. Denn jedes daven straft eine Dummheit Lügen.

Der Neckel stellt ein zweites Bändchen in Aussicht, aber erst will er warten, bis wir die Preßfreiheit haben. Das kann ja schön werden. Allerdings, manch kaustisches Wort, das er in die Welt gesetzt und die er in mündlicher Überliefetung die Runde durchs Land gemacht hat, könnte ihn in des Teufels Küche bringen, wenn ihm die Getrossenen an den Kragen kämen.

Das „Letzeburger Witzbuch“ ist im Verlag von Worré-Mertens erschienen.

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    Katalognummer BW-AK-014-3181