Original

21. Mai 1926

Wie ein Flug hellgefiederter Tauben, oder wie ein Arm voll Blumen, frisch vom Beet, flattert es herein und hat ein Anliegen.

„Bitte bitte, ein Artikelchen für unser Tennisturnier! Von Samstag bis Montag, bei den Schießständen im Kreuzgründchen!“

„Ich wüßte nicht, was ich lieber täte, meine Damen! Tennis ist der allerschönste Freiluftsport. Ich bin bereit, diese Wahrheit gegen jeden mit der Wasfe in der Hand zu vertreten, vom Browning aufwärts bis zum Maschinengewehr, vom Florett bis zur Sense! Bereits vor 12 Jahren und 7 Monaten bin ich an dieser Stelle begeistert für die Schönheiten des Tennis eingetreten, und damals ....“

Jawohl, sie erinnerten sich, als ganz kleine Mädchen den Artikel gelesen zu haben. Ich versprach ihnen, alle Trommein zu rühren, die mir zu Gebote stehen. Was hiermit geschieht.

Tatsächlich, Tennis ist das schönste Freilnftspiel: Für den, der es spielt. und für den, der zusieht, Es bietek die weitestgehenden Möglichkeiten zu einem anmutigen und zugleich kraftvoll federnden Spiel der Glieder. Die Forderung der Sekunde, des Sekundenbinchteils erzeugt eine Vielfältigkeit von Stellungen und einen Reichtum überraschender Linien, an denen ein Künstler sich berauschen kann und der gewöhnliche Sterbliche, ohne Künstler zu sein, sich gut bütgerlich freut.

Dies Spiel ist außerdem eine raffinierte Nachschöpfung des Verhältnisses der Geschlechter, indem es Anlaß dazu bietet, daß sich Mann und Frau in ritterlichem Spiel gegenüberstehen und - manchmal - nicht ohne innere Bewegung, nicht ohne sich der inneren Ungleichheit befangen bewußt zu sein, ihre Kräfte gegeneinander anspannen. Bis der Eifer des Gefechts die Befangenheit aufhebt und nur der Wille zum Sieg lebendig ist. Oder die beiden tun sich zusammen gegen den gemeinsamen Feind und empfinden das ganz besondere Glück, das der Stärkere empfindet, wenn ihm der Schwächere voller Hingebung beispringt, und der Schwächere, wenn er den Stärkern sorgend an seiner Seite weiß.

Davon wissen natürlich die Tennisspieler nichts, das legt nur der Zuschauer in ihr Spiel hinein, und das ist eine seiner anziehenden Seiten: Weil es wie kein anderes Gegen- und Zusammenspiel der Frauen- und Männerseite ermöglicht.

Diesem schönsten aller Spiele ist seit Jahr und Tag auf dem idyllischen Besitztum der ehrwürdig uralten Schützengesellschaft St. Sebastian im Kreuzgründchen, die nach längerem Dorntöschenschlaf zu neuem Leben glücklich erwacht ist, eine ideale Heimstatt erstanden. Es hat sich eine Anzahl treuer Anhänger des Tennis zusammen getan, um sich einen bewährten französischen Trainer zu verschreiben, unter dessen Anleitung die Mitglieder sich nach allen Regeln der Kunst ausbilden.

Für die Pfingsttage ist der Aufruf zu einem internationalen Tennisturnier ergangen, zu dem schon namhafte französische und belgische Cracs genannt haben. Guter und bester Sport ist für die drei Tage gesichert: Samstag, Sonntag und Moutag. Beginn am Samstag Vormittag 10 Uhr, Schluß am Montag Abend mit einem Tanzabend, auf dem die feierliche Preiseverteilung erfolgt.

Rennungen werden bis zum letzten Tag von Herrn Galles, Schützengesellschaft, Kreuzgründchen, entgegengenommen. Nennungsgebühr 25 Franken für das erste, 15 Franken für jedes folgende Wettspiel.

Ich bin mir bewußt, durch dies Eintreten für den Erfolg des auserlesenen Festes eine gute Tat vollbracht zu haben.

Unsere Mädchen- und Frauenwelt von heute verdankt das Schönste und Wertvollste, was ihr die Emanzipation bringen konnte, dem Sport und mit in erster Linie dem Tennis. Wie eine über die Straße geht, mit freiem, anmutigem Schwung der Glieder, sieht man ihr gleich die Tennisspielerin, die Schwimmerin an. Der Sport hat unsere Mädchen und Frauen von der Tyrannei einer blödsinnigen Mode befreit, die aus dem weiblichen Körper den Rohstoff für ganz verruchte Verbildungskünfte gemacht hatte. Und auf der anderen Seite hat erst der Sport, und vor allem das Tennisspiel, einen unbefangenen Freiluftverkehr der Geschlechter unter sich ermöglicht und die vertrackte Schüchternheit der männlichen Jugend, die allzu oft sich zu trotziger oder unbeholfener Brutalität verknöcherte, in heitere Unbefangenheit aufgelöst.

Darum hoch das Rakett, und ein voller Erfolg dem Pfingstturnier der Tennisjüngerinnen und Jünger im Kreuzgründchen!

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    Katalognummer BW-AK-014-3185