Als jüngst die Clausener Musikgesellschaft ihr Dreivierteljahrhundertjubiläum feierte, regte eine reizende alte Geschichte, die mit der Gründung der Gesellschaft zusammenhängt, wieder ihre Flügel und flatterte an einem Stammtisch auf, an dem der Name Joseph Junck immer mit Liebe und Verehrung genannt wird.
Für die, die es vielleicht nicht wissen oder es vergessen haben sollten, sei hier daran erinnert, daß er ein Clausener Kind war und im Jahre 1851, wo die erwähnte Gründung erfolgte, grade vierzehn Jahre alt geworden war.
Was man mit vierzehn Jahren erlebt, das prägt sich einem unauslöschlich ein. Und so kam es, daß Joseph Junck bis in sein hohes Alter folgende Geschichte erzählte:
„Als die Clausener mit sich einig waren, daß sie eine Musik gründen wollten, da ward ihnen als erstes bewußt, daß man zum Musikmachen vor allen Dingen Instrumente haben muß.
Instrumente kosten Geld, und so kunstbegeistert die Clausener waren, Geld hatten sie nicht zum Fenster hinaus zu werfen.
Ein Weg stand offen, der in solchen Fällen gerne beschritten wird. Man geht reihum zu den wohlhabenden Bürgern des weitern oder engeren Gemeinwesens und bittet um eine Beisteuer im Interesse der Kunst, der Volkserziehung, der Erhöhung der Feststimmung bei feierlichen Gelegenheiten inklusive Begräbnis der hochherzigen Gönner usw.
Dazu waren die Clausener zu stolz. Sie wollten nicht auf gebettelten Instrumenten blasen. Sie wollten sich das nötige Kapital durch ein Mittel verschaffen, dessen sich weder die reichsten Gesellschaften noch sogar der Staat selbst zu schämen brauchen.
Also beschlossen sie, eine Anleihe aufzunehmen.
Das Geld floß ihnen aus ihrer eignen Mitte reichlich zu. Der eine gab 20, der andre 40, der andre 50 Franken. Viele gaben mehr, und die Ausstattung des jungen Vereins stieß auf keinerlei Schwierigkeiten.
Damals muß an der Spitze der Finanzverwaltung der Clausener Musikgesellschaft ein Mann gestanden haben, der wahrscheinlich schon lange tot ist, und das ist jammerschade. Denn das wäre der Mann gewesen, der die zerrütteten Finanzen unsrer westlichen Nachbarn im Handumdrehen hätte ordnen können.
Man darf das aus dem Wortlaut des Schuldscheins schließen, den er damals den Gläubigern der Clausener Musikgesellschaft ausstellte und mit dem sich diese vertrauensvoll zufrieden gaben:
„„Die Unterzeichnete Musikgesellschaft von Clausen erkennt hiermit an, von Herrn ....... - ..... Franken als Darlehen empfangen zu haben, und verpflichtet sich, diesen Betrag zurückzuzahlen, sobald sie Geld zu viel hat.““
Wieviele Rückzahlungen scheitern eben daran, daß der Schuldner nicht allein kein Geld zu viel, sondern noch lange nicht Geld genug hat. Wäre bei allen Verpflichtungen diese Klippe vermieden, so wäre es für jeden eine wahre Freude, seine Schulden zu bezahlen. Denn wie gerne, nicht wahr, macht sich jeder seines überflüssigen Geldes los! Das hatte der Finanzminister der Clausener Musikgesellschaft ab initio eingesehen, und so konnte er sein Büdget beständig auf einem Bronzefelsen aufbauen. Ihm ist es zuzuschreiben, daß die Clausener Musik in vollem Vertrauen auf ihre Zukunft zu jedem Piston, jeder Posaune, jeder Trompete heraus sozusagen eine Feder in die Luft blasen durfte, wie man hier von einem sagt, der vollkommen sorglos in die Welt blickt. Und da liegt zweifellos das Geheimnis des unablässigen Gedeihens dieser Gesellschaft. Vivat, floreat, cresent!!!“
Also erzählte der wackre Joseph Junck, auf den ein gut Stück von der Langlebigkeit und Gediegenheit der Clausener Musik sich übertragen zu haben schien.