Wer einen Apfel ißt, denkt, wenn er nichts Besseres zu tun hat, an den Apfel; seltener an den Baum, der den Apfel getragen hat - noch seltener an den Mann, der den Baum gepflanzt hat, und niemals an den, der zum Pflanzen des Baumes die Anregung gegeben hat.
Und doch wären unzählige Obstbäume nicht gepflanzt worden, wenn nicht von irgendeiner kundigen Stelle aus eine Anregung dazu ergangen wäre.
Als im grimmigen Winter 1879-1880 die Obstbäume zu Tausenden vom Frost totgebissen worden waren, gab das Ackerbaudepartement unter Paul Eyschen die Parole aus: Bäume pflanzen! Aber die Apathie bei den Bauern war derart, daß ohne Aufmunterungen in bar die Karre nicht ins Rollen zu bringen war. So war unser Volk: Rauh gewöhnt und gegen jeden Schmuck und Genuß mißtrauisch. Tafelobst galt vielen als strafbarer Luxus, und außerdem stahlen es die Buben auf dem Feld. Es mußte mit Subsidien der nötige Hochdruck erzeugt werden, und als die Vielen merkten, daß die Wenigen aus den Subsidien Vorteil gezogen hatten, da huben alle miteinander das Spottlied gegen die Subsidien an und entrüsteten sich moralisch.
Daß der Obstbau aber ein gewinnbringender Zweig der Landwirtschaft sei, und obendrein einer, der mehr Freude und Genugtuung, als Fron und Rückenweh brachte, das begann erst richtig der Obst- und Gartenbauverein in die Köpfe zu hämmern, als er vor zweiunddreißig Jahren ins Leben trat.
Er hat seither weiter gearbeitet, ohne zu erlahmen, und wenn unser Ländchen allmählich zu einem großen, schönen und fruchtbaren Obstgarten wird, so haben wir es in erster Linie ihm, seinem Präsidenten Herrn Ehrenprofessor J. Phil. Wagner, seinem Generalselretär Herrn N. Nickels, Echternach, und all seinen Mitgliedern zu danken.
Dieser Verein hält am nächsten Sonntag, 4. Juli, eine Wanderversammlung in der Muster-ObstbaumAnlage beim Sanatorium Baumbusch ab.
Über diese Anlage berichtete Prosessor Dr. Edm. Klein in der Juninummer des „Luxemburger Obstund Gartenbaufreund“:
„Die Anlage, deren Entstehung, Betreuung und Erhaltung der Initiative unseres unverwüstlichen Vereinspräsidenten zu verdanken ist, kann, wie bekannt, als Demonstrationsobjekt dienen für den Erfolg wissenschaftlichen Strebens, das selbst bei ganz ungünstigen Bedingungen in die Praxis umgesetzt wird.
Auf dem kalkfreien Sande des unteren Juras, wie er auf dem gleichschichtigen Felsgestein durch Verwitterung und Auslaugung entstanden ist, horstet nur eine dürftige Trockenvegetation. Einige Gräser, Heidekräuter, der Adlerfarn und geringe anspruchslose Laubpflanzen finden dort ein kümmerliches Auskommen, und es ist nicht bloß die Wasserarmut im Spiele, sondern auch das fast gänzliche Fehlen der für den Pflanzenbau unentbehrlichen chemischen Bestandteile, der Stickstoff-, Phosphor-, Kali- und Kalkverbindungen. In diesem Erdreich Obstbäume aussetzen zu wollen, durfte auf den ersten Blick als Wahn bewertet werden. Und doch wagte es der Vorsitzende, und der Wurf gelang über Erwarten. Dabei war kein böser Geist beteiligt, sondern nur richtige Einsicht in die Verhältnisse, um zuzusetzen, was fehlte, und keinen Augenblick in der sorgfältigsten Pflege nachzulassen.
So wird die Anlage im Baumbusch nicht nur als bemerkenswertes Ergebnis eines wohl erwogenen Versuches bestehen bleiben, nein, sie ist ein wirksames Lehrbeispiel, das sicher andere im Gefolge haben wird, und wir fassen sie auch gerne auf als ein dauerndes Denkmal für ihren verehrten Begründer.“
Lieber Leser! Vielleicht bist Du glücklicher Hausbesitzer. Vielleicht hast Du neben Deinem Haus ein Gärtchen von ein paar Ar, das als „Jardin Onglé“ (ma chère) angelegt ist, mit Pfädchen, Näschen, Pflänzchen (exotischen), ein Schloßgarten en miniature. Geh, lieber Leser. was brauchst Du einen Schloßgarten, so einen affigen Stadtgarten, der nach etwas aussehen will und nicht kann! Mach es so: Auf einen Streifen pflanze Rosen und Lilien und Flox und Iris und Rittersporn und Kaiserkronen, und den Rest leg als Rasen an mit schönen gesunden hochstämmigen Apfel-, Birn-. Zwetschgen- und sonstigen Obstbäumen, die Dir im Mai den Garten voll blühen und Dir im Herbst die stolzen Erntewonnen bringen, die Du kennen mußt, um ein Vollmensch zu sein.
Und willst Du wissen, wie es gemacht wird, so geh am Sonntag, 4. Juli, 3 Uhr nachmittags, in den Baumbusch zur Wanderversammlung des Luxemburger Obst- und Gartenbauvereins.