Original

1. Juli 1926

Die „Société des Amis des Musées“ tritt nunmehr mit der Verteilung ihrer Statuten an die Mitglieder endgültig in die Erscheinung.

Sie war es sich schuldig, ihre Verfassung in würdiger Form hinausgehen zu lassen. Das schmucke Heftchen ist von der Hofbuchdruckerei Bück in vornehmster Ausstattung hergestellt, Pierre Blanc hat die Titelzeichnung geliefert: das Haus Unter den Steilen, davor ein Scholar mit Foliant und siegelbehangener Urkunde. Das Bildchen hat symbolische Bedeutung. Der Fischmarkt war lange das Herz Luxemburgs, und wenn im Haus de Scherff einmal die Zeugen unserer Vergangenheit ein würdiges Unterkommen finden, dann wird dieser altehrwürdige Platz mehr als je wieder das Herz Luxemburgs sein.

Nun muß der neue Museumsverein daran denken, der Nachkriegsmode zu folgen und sich aus seinen Anfangsbuchstaben einen möglichst kurzen Rufnamen zu bilden: S. A. M.

Sam! Sollte das mehr als ein bloßer Zufall sein? Es schlummert in den Dingen mehr verborgener Sinn, als wir uns träumen lassen.

Sam weckt den Begriff Uncle Sam, Amerika, Dollar.

Der Museumsverein braucht, wenn er seine höchsten Ziele erreichen soll, Geld, viel Geld. Und der Dollar ist heutzutage das Geld par excellence.

Hier bitte ich um die Erlaubnis, mich mit einer fremden Feder zu schmücken. Ich rupfe sie einem Freund aus, der mir den Raub im Interesse der guten Sache verzeihen wird.

Er regte nämlich dieser Tage, durch die Anwesenheit eines Jugendgespielen aus Amerika inspiriert, folgenden Gedanken an: In Amerika leben zirka 50 000 Luxemburger. Eher mehr, keinesfalls weniger. Was soll es diesen Landsleuten aus dem Goldvalutaland ausmachen, wenn jeder von ihnen einen Dollar, einen einzigen, auf dem Altar des kleinen Vaterlandes opfert? Jeder wäre stolz, damit zur Verwirklichung einer Idee beizutragen, die seit fünfzig Jahren in der Luft hängt und keinen festen Boden unter die Füße bekommen kann. Die Luxemburger in Amerika haben Gemeinsinn. Lesen Sie nur, was Herr Heintz von ihrem Clubhaus in Aurora in der „Luxemburger Zeitung“ dieser Tage schrieb. Viele ließen es sich an einem Dollar nicht genug sein. Ich bin fest überzeugt - sagte mein Freund - daß es nur einer kleinen Campagne in den luxemburger Blättern der Vereinigten Staaten bedürfte, um in einem halben Jahr den größten Teil der Bausumme für ein neues Museum, vielmehr der Kosten für Herrichtung des Hauses de Scherff aufzubringen.

Und die Gegenleistung? Wäre es für die luxemburger Amerikaner, die Jahr für Jahr in immer größerer Anzahl zum Besuch der alten Heimat herüberkommen, nicht eine Genugtnung, mit ihrer Hilfe das Werk vollendet zu sehen, das wir ohne sie vielleicht noch in zehn Jahren nicht vollendet hätten? Könnte man nicht eine Ehrentasel mit den Namen aller Spender anschlagen, und wären ihre Vettern und Basen, Brüder und Schwestern, Neffen und Nichten nicht stolz, wenn sie bei einem Besuch des Museums sagen könnten: Da steht es, daß unser Jang und Pier und Nedel und Heng auch sein Scherslein beigetragen hat?

Wie wäre es, Ihr Luxemburger Brüder, die Ihr seit Jahren und Jahrzehnten und länger unter Uncle Sam’s Flagge immer noch gute Luxemburger geblieben seid, wie wäre es, wenn Ihr Euch für relativ billiges Geld in der alten Heimat ein Denkmal setztet, Euch zur Ehre und uns zum Genuß!

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    Katalognummer BW-AK-014-3218