Original

14. Juli 1926

Diese Spalte soll eine Huldigung für unsere Leserinnen sein.

Ihnen zulieb soll von einer Angelegenheit gesprochen werden, die ihrem tiefsten, geheimsten Wesen nach eine Angelegenheit der Frau ist: Von Stickereien und Spitzen.

Männer interessieren sich für Spitzen nur im Zusammenhang mit der Frau, für Frauen aber sind Spitzen ein Ding an sich. Die Moden, bei denen Spitzen als Bestandteil der männlichen Toilette in die Erscheinung traten, waren groteske Verirrungen.

Spitzen sind Sache der Frau, weil sie von Frauen geschaffen und von Frauen getragen werden. Sie sind voll der unsäglichen Kompliziertheit, Zartheit und Anmut, die auch die echte Frauenpsyche zu etwas so seltsam Kostbarem machen, daß Hände, die darnach greifen, in angstvoll heiliger Ehrfurcht erbeben sollten. Aber echt müssen beide sein.

Zweck und Dasein der Spitzen sind blumenhaft, ihr Daseinszweck ist Schmuck, Nurschönheit. Ihr Dasein ist vor und zwischen den Dingen wie ein sauftes Tönen, das die handsesten Wirklichkeiten in Musik auflöst. Sie sind unirdisch, wie alles, was nur und ausschließlich schön sein will. Sie können nicht verhüllen und nicht wärmen, sie verklären nur.

Ihre Vorbilder sind Träume, sind die faserigen, rosenroten Wolkengebilde, die den Abendhimmel um- gittern, sind die grünen Tupfenschleier, die sich in einer Frühlingsnacht vor die winterliche Leere des Waldes spannen.

Wozu lange Worte machen, meine Damen? Wenn Sie in Spitzen einmal so recht nach Herzenslust schwelgen wollen, sehen Sie sich die Blätter für kunstliebende Frauen an, die Dr. Alexander Koch in Darmstadt unter dem Titel „Stickereien und Spitzen“ herausgibt.

Dr. Alexander Koch ist auf den Gebieten Kunst und Handwerk wohl mit der stärkste und dabei feinsinnigste Anreger, den Deutschland zurzeit besitzt. Seine Monatsschriften „Deutsche Kunst und Dekoration“ und „Innendekoration“ wirken bahnbrechend und niveauhaltend in die weitesten Schichten, durch ihren unübertrefflichen Bilderschmuck und durch Aufsätze vornehmster Haltung. Dieser doppelte Vorzug eignet auch der Zeitschrift „Stickereien und Spitzen“. Wer sich über die Tatsache, daß eine durchaus charakteristische Spitzenkunst unseres Jahrhunderts in den Grundlagen dasteht, und sich über das erreichte hohe künstlerische Niveau der neuzeitlichen Handspitze informieren will, der betrachte die herrlichen Arbeiten, die in vollendeten, großen Abbildungen in dem Juliheft von „Stickereien und Spitzen“ vorgeführt werden: „RekordLeistungen der Näh- und Klöppelspitzen-Technik, die nach Entwurf von Professor E. Mildeova-Paliczkova an der „Staatslehranstalt für Hausindustrie“ - Prag von den „Staatlichen Näh- und Klöppelspitzen-Kursen“ unter Förderung des „Erzgebirge-Spitzenfonds“ im deutsch-böhmischen Erzgebirge ausgeführt werden. Diese Gebilde vollendetster textiler Kunst erregten auf verschiedenen Ausstellungen der letzten Jahre, in der „Internationalen Ausstellung in Paris“, auf der Ausstellung „Moderne Spitze“ in Stuttgart usw, berechtigtes Aufsehen. Die außerordentlich schöne und umfassende Publikation in „Stickereien und Spitzen“ ermöglicht es nun allen kunstsinnigen Frauen, die sich für Spitzen interessieren, diese Leistungen: kostbare Decken in feinster Nadelspitzen-Arbeit, Decken mit Klöppelspitze, Einzelmotive und Einzelspitzen in Nadel- und Klöppel-Technik in reich ornamentaler, figürlicher und auch schlichter Musterung eingehend kennen zu lernen. Und welche kunstsinnige Frau hätte nicht immer den Wunsch, diese köstlichsten Gebilde der Frauenhand zu bewundern und zu besitzen! Der Preis des Einzelheftes von „Stickereien und Spitzen“ beträgt Mk. 2. -; es ist durch jede Buchhandlung oder durch die Verlagsanstalt Alexander Koch in Darmstadt zu beziehen.

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    Katalognummer BW-AK-014-3229