Original

23. Juli 1926

Wir hatten bis jetzt nicht eigentlich ein luxemburger Liederbuch.

Guill. Stomps, der vor Jahrzehnten mit viel Verständnis und Sachkunde die gangbaren Lieder gesammelt und herausgegeben hatte, hatte bisher niemand gefunden, der sein Werk fortgesetzt hätte. Abgesehen davon, daß solche Veröffentlichungen große, @ fordern, gibt es wenig Luxemburger, die einen @ blick über das Liedergut besitzen, wie es im Volk @ lebendig ist.

Da fand sich durch eine glückliche Verkettung @ Umständen ein Weg, auf dem sich beide Bedingu@ erfüllten.

Der Mitarbeiter des „Gukuk“, der mit dem onom@ pöetischen Pseudonym „Broulli“ zeichnet, ist viell@ derjenige Luxemburger, der über den größten W@ schatz der Volkssprache verfügt. Er weiß für j@ Ding und jeden Zustand den Ausdruck, den das @ dafür gebraucht, weil er mit offenen Augen @ scharfem Gehör mitten im Volk wohnt, für @ Eigenart Verständnis, für seinen Humor, seine S@ mentalität, seine Derbheit die Wertschätzung @ Kenners hat. Eine noch so alte Dorfgeschichte beko@ Glanz, wenn er sie erzählt, Seine Worte und @ dungen sind wie die Schnitzereien an alten Truhen @ Uhrkasten.

Dieser Broulli war der Mann, der es unterneh@ durfte, die alten Lieder zu sammeln, die noch in u@ Dörfern gesungen werden, immer seltener, le@ immer mehr verschwemmt von der überwürzten B@ der Gassenhauer, die von Schobermeß zu Schobe@ über die Häupter der Jungen und der Alten @ gegossen wird und in tausend Rinnsalen durch @ Land weiter sickert.

Blieb der Kostenpunkt.

Aber auch der war verhältnismäßig leicht @ glücklich zu erledigen. Verhältnismäßig, denn @ Stange Goldes wird das neue alte Liederbuch @ allem immerhin noch gekostet haben, bei diesen @ dammt teuren Zeiten. Aber immerhin war @ Erleichterung dadurch gegeben, daß die Lieder @ Erstdrucke im „Gukuk“ erschienen und nachher nu@ einem Bändchen gesammelt zu werden brauchten.

Dies ist nun im Verlag des „Gukuk“, bei Linde@ Hausen, in allerliebster Aufmachung erschienen @ gewinnt Dein Herz, sobald Du es aus dem Ums@ schälst. Auf dem Titelblatt sitzt unterm Kami@ die Großmutter mit gefalteten Händen und hört @ ihr Nickerchen hindurch, wie der Großvater auf @ Siedel den gespannt horchenden Enkeln ein altes @ vorsingt. Die Vorrede von „Broulli“ beginnt folgen@ maßen: „Kanner, loße mer eent sangen! sot @ Mamm gottre’scht! wa mer de’ lang Wanterow@ em de Kolonnenuewe so’tzen ...“

Und dasselbe sagt zu uns dies Büchlein: Kin@ wir wollen eins singen! Eines dieser alten Li@ um die der Duft der Vergangenheit weht. @ davon stehen ja in andern Sammlungen, aber @ Büchlein hat für uns den unschätzbaren Wert, @ wir wissen, es enthält Lebendiges, Lieder, die @ noch heute aus einem geranienbeblühten Fenster @ über grünende Felder entgegentönen können.

Und darum ist es ein „luxemburger Liederb@ man kann sagen: Das luxemburger Liederbuch.

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    Katalognummer BW-AK-014-3237