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24. Juli 1926

Zitate haben mit Jahreszeiten zu tun.

Um diese Zeit des Jahres ist kein Zitat so populär, wie: „Warte nur, balde - Ruhest du auch!“ So klingt es im Geist der Herren Professoren, die die letzten Prüfungen verbessern, der Beamten, die übermorgen ihren Urlaub antreten, der Geschäftsleute, die für den August ihre Villa in Wenduyne gemietet haben, der ganzen Menschheit, die sich einer kürzeren oder längeren Ruhe erfreuen darf, sobald da draußen die Erfüllung anhebt.

Wer in die Ferien geht, nimmt von seiner Umgebung Abschied. Dort bauen sie ein Haus: Wie weit wird es sein, wenn ich wiederkomme? Unter den Kastanienbäumen rascheln schon die ersten welken Blätter: Wenn ich wiederkomme, liegen sie knöcheltief. Die Äpfel werden rote Bäckchen haben und die Haselnüsse werden aus den Hüllen fallen. Allerhand ist anders geworden, wenn man aus den Ferien heimkommt.

Nur eins wird voraussichtlich nicht anders geworden sein. An der Freiheitsavenue werden sicherlich die granitnen Pflastersteine noch grade so unverbraucht daliegen, wie heute. Schön pyramidal geschichtet, wie in den Krämerläden die Streichholzschachteln oder die Seifenwürfel. Eine Atmosphäre von Disziplin liegt über dem Platz, wie über einem Kasernenhof, wo Rekruten gedrillt werden. Der Vergleich läßt sich weiterspinnen. Die Rekruten können meutern, und mit den hübsch geschichteten Granitpflastersteinen lassen sich unzählige Schädel und Fenster einwerfen. Es, ist schier zu verwundern, daß diese wertvollen Steine noch nicht mehr anonyme Liebhaber gefunden haben. Bedenken Sie, daß so ein Stein seine zwei, drei, vier Franken und darüber wert ist. Und ein paar Pflastersteine braucht jedermann. Aber wir sind ein ehrliches, rechtschaffenes Volk, wir stehlen keine Pflastersteine.

Es ging einmal die Sage, mit diesen kostbaren Granitwürfeln sollte die Freiheitsavenue gepflastert werden. Das hat sich nicht bewahrheitet. Und so bleiben sie daliegen, ein öffentliches Rätsel, man könnte sagen, jeder einzelne Haufen seinem Aussehen nach etwas wie ein heimliches Kreuzworträtsel.

Grade schickt mir ein Bekannter folgenden Zeitungsausschnitt, den ein satirisch veranlagter Franzose aus dem Englischen übersetzt zu haben vorgibt:

Conseillers municipaux.

Premier conseiller: Elle est très bien, cette nouvelle rue.

Deuxième conseiller: Parfaite! Et maintenant que pourrions-nous en faire?

- Faisons construire des égouts.

- Mais ne vaudrait-il pas mieux paver d’abord?

- Evidemment, cela va de soil ... Puis, après les égouts, nous ferons repaver.

- Juste à temps pour être prêts à redépaver lorsqu’il s’agira d’établir la canalisation du gaz.

- Puis nous ferons rerepaver ....

- Juste à temps pour être préts à reredépaver pour l’établissement des lignes de tramways.

- Sage exemple d’administration! Il faut de la méthode, mon cher collègue ‚il faut de la méthode! .... Nous serons réélus.

Wie gesagt, dies ist von einem Franzosen aus dem Englischen übersetzt.

Bei uns wird nicht gepflastert, bei uns bleiben die Pflastersteine zum Schmuck der Landschaft am Straßenrand liegen.

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    Katalognummer BW-AK-014-3238