Was ist Kunst?
Vor zirka dreißig Jahren konnte man hier in einer Gewerbeausstellung ein Kruzifix aus Wurzelknollen sehen, das ein Krüppel in langer, mühevoller Arbeit zusammengebosselt hatte.
Die Besucher stauten sich davor und sagten, was das für eine Kunst sei, so ein Stück zu machen. Einige sagten auch, sie hätten die Geduld nicht.
Der Begriff Kunst ist beim Volk sehr komplex und sehr einfach zugleich. Es legt an ein Kunstwerk immer die Maßstäbe des eigenen Könnens, aber auch des eigenen Wollens. Daher der Faktor Geduld. Es bewundert den Mann, der aus dem Kopf eines Hechtes die Werkzeuge herausfindet, die bei der Kreuzigung Christi eine Rolle spielten. Es bewundert ihn als Künstler nicht minder, als den biederen Anstreicher, der in seinen Mußestunden Stilleben malt.
In der Werkstatt des Geistes gilt ihm als der Gescheiteste, wer verborgene Beziehungen am scharfsinnigsten aufdeckt, die merkwürdigsten „Spichten“ im Kopf hat. Kant und Einstein liegen jenseits seines Horizontes, es kennt andere Helden, die seinem Verständnis näher sind. Einer davon ist zweifellos der, der die nachstehende Geschichte ersonnen hat. Ein Mann aus Schlindermanderscheid hat sie von seinem Vetter aus Dubuque und wat so freundlich, @ zur Veröffentlichung zu überlassen.
Sie trägt den Titel: Das Kartenspiel, oder: @ würdiges Gebetbuch eines Kriegsmannes. (Aus @ alten Chronik.) Und sie vererbt sich in einer F@ wie eine Salbe gegen den „Umlauf“. Hier steht @ der Originalfassung:
„Ein gewisses Regiment hatte eines So@ Kirchenparade. Es war ein Soldat dabei, vor @ man glaubte, er nähme ein Gebetbuch aus der @ aber er nahm ein Spiel Karten heraus. Der @ webel, welcher dieses sah, befahl ihm, seine @ in die Tasche zu stecken und so was nicht m@ probieren. Der Soldat aber folgte seinem Beseh@ Als nun die Kirche aus war, führte der Fel@ den Soldaten sogleich zum Major und sag@ was sich in der Kirche zugetragen hatte. Der @ redete ihn hart an und sagte: „Wie kann @ unterstehen, in der Kirche Karten zu spielen? @ ein großes Verbrechen. Wie kann er sich @ antworten?“ Der Soldat sagte: Die Kirche @ Heiligtum und ich habe niemanden gestört@ Major sagte: „Verantworte er sich besser, o@ schicke ihn in Arrest.“
Da zog der Soldat seine @ heraus und sagte: Sehe ich eins, das zeigt a@ nur ein Gott ist, der Himmel und Erde gema@ die Zwei zeigt an die zwei Naturen in Christe, @ lich: die göttliche und die menschliche; die Dre@ an die drei Personen in der Gottheit, nämlich: @ Sohn und heiliger Geist; die Vier zeigt an di@ Evangelisten, nämlich: Matthäus, Markus, Luk@ Johannes; die Fünf zeigt an die fünf @ Christi; die Sechs zeigt an, daß Gott in sechs @ Himmel und Erde gemacht hat; die Sieben ze@ daß Gott am siebenten Tage geruht, wo w@ dienen sollen, was zwar die Guten, die S@ aber nicht tun; die Acht zeigt an, die acht P@ welche in der Arche waren: Noah, sein Weib@ drei Söhne und deren Weiber; die Neun ze@ die neun Chöre der Engel; die Zehn, die zehn @ Gottes, welche Gott dem Moses auf dem Berge@ auf eine steinerne Tafel geschrieben hat. @ Soldat nun alle durchgesehen hatte, nahm @ Kreuzbauer, legte ihn beiseite und sagte: @ nicht ehrlich, die übrigen drei Bauern sind die H@ knechte, die Christus gekreuzigt haben. Die @ das sind die drei Jungfrauen, die Christus @ haben, und die größte davon war seine Mutt@ Könige bedeuten die drei Könige, die a@ Morgenlande gekommen waren, um den vierten @ anzubeten, nämlich: Christum. Die Schöppen @ an die Nägel und die Dornenkrone. Die Kreuze @ an, daß Christus am Kreuze gestorben ist. Die @ zeigen an, daß Gott nur eine Kirche gestiftet @ bis zum Ende der Welt dauern wird. Die @ deuten an, daß alle Kirchen viereckig sind, da@ wir Zeugen. (Und die Kirche in Ehnen! A. @ Ich habe 365 Augen in der Karte, das sind @ Tage im Jahr. Ich habe 12 Bilder in der Kort@ sind die 12 Monate im Jahr. Ich habe 52 Bri@ der Karte, das sind die 52 Wochen im Jah@ zuletzt noch die Farben in der Karte zeigen @ letzten Dinge des Menschen an, nämlich: de@ das Gericht, die Hölle und das Himmelreich, @ Mensch betrachten soll. Ja, ich sage, daß @ Kartenspiel ebenso dienlich ist zum Seligwerd@ ein Gebetbuch. Da fiel ihm der Major in d@ und sagte: „Du hast mir noch nichts von dem @ bauer gesagt, den du beiseite gelegt hast, und @ der wäre nicht ehrlich.“ Der Soldat erwider@ Major, wenn ich ohne Strafe bin, so will @ Ihnen sagen. „Sprich mein Sohn, es soll di@ geschehen.“ Dieser Kreuzbauer, den ich beiseit@ und sagte, er sei nicht ehrlich, das ist der @ Judas oder der Feldwebel, der vor Ihnen ste@ mich verklagt hat. Da zog der Major seine@ beutel heraus und gab dem Soldaten sechs L@ und sagte: „Gehe hin und trinke auf meine @ heit, denn du bist der größte und beste Win@ den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe @ viele von meinen Untergebenen, die in den @ erfahren waren, habe ich studieren sehen, aber @ hat mir wie du bewiesen, was du mir gezeigt @