Vielleicht lernen wir wieder beten.
Jedenfalls schwebt ein Satz des Vaterunsers heute auf aller Lippen: Unser tägliches Brot gib uns heute!
Nur über die Qualität gehen die Meinungen auseinander.
Das Volk hält sich für betrogen, wenn es nicht das beste Brot bekommt, das allerbeste, das Brot, das sicher „auch die Reichen“ essen. Brot ex adipe frumenti, wie es im Psalm heißt, aus dem Fett des Weizens, also nicht auf neunzig Prozent ausgemahlen. Auch kein Graubrot. Sie sagen Graubrot, um nicht zu sagen Schwarzbrot und bedenken nicht, daß grau unendlich viel trübseliger klingt, als schwarz.
Das Graubrot sei nahrhafter, sagt Herr Dr. Wehenkel. Sonderbar, daß bei Nahrungsmitteln die, die sie essen müssen, so gar wenig Wert auf den Nährwert und ein so großes Gewicht auf die Schmackhaftigkeit legen. Freilich, was hat ein hungriger Mann vom schönsten Nährklystier, wenn Zunge und Gaumen dabei leer ausgehen? Zur inneren Gnade des Sattwerdens gehört das äußere Zeichen des speichelflußerregenden Genusses. Darum wird das Graubrot schwerlich seiner Nahrhaftigkeit wegen populär werden. Wir tun ihm Unrecht. Wenn wir unsere Schinken, unsern Kochtäs, unsern Quetsch und unsern Grächen magenpatriotisch über alles preisen, warum das Brot aus unserm Weizen und Roggen in Acht und Bann tun?
Vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unsern Schuldnern!
Hört Ihr es drüben in Washington, Chicago, New York, San Francisco! Vergebt uns unsere Schuld, dann vergeben auch wir unsern Schuldnern. Macht über Eure Guthaben Schwamm drüber, so räumen die Verbündeten die Rheinlande, Paris - Berlin - BrüsselWien - Rom feiern ein Verbrüderungsfest und schwören, daß sie Euch beistehen werden, wenn Euch der Japs demnächst an die Wimpern klimpern will, in Paris tragen sie Eure Landsleute auf Händen statt sie von den Autocars herunterzubrüllen, und bald wird die ganze Welt sein ein einig Volk von Brüdern, Schulter an Schulter gestemmt gegen die Unbill, die ihm in absehbarer Zeit von den unzivilisierten Bewohnern eines Nachbarsternes drohen dürfte. Lest die vernünftigen Worte, die kürzlich in der demokratischen „New York World“ standen: daß die Weltgeschichte kein Melodrama ist, und daß es nichts Kindischeres gibt, als Haß und Großsprecherei. Nichts Verderblicheres, als Urteile über Völker, ihre Schuld oder Schuldlosigkeit. „Überlassen wir den Geschichtschreibern und in letzter Instanz dem lieben Gott das Urteil darüber, wer sich am übelsten aufgeführt hat in einer Zeit, wo die Ereignisse zu groß waren für die Fähigkeiten der Staatsmänner und die Leidenschaften des Volkes.“ ..... „Wenn man uns entgegen hält, daß es unmöglich ist, zu vergessen und zu vergeben, weil es sich um die Interessen des amerikanischen Steuerzahlers handelt, so antworten wir: Grade als amerikanische Steuerzahler reden wir hier. Wir bezahlen Steuern grade so ungern, wie der Senator Borah, aber es gibt Dinge, die wichtiger sind, als Steuern, und dazu gehört auch der Ruf, den die Vereinigten Staaten in der Welt genießen. ... Unsere führenden Männer haben in der Schuldenfrage bis jetzt gehandelt, als sei es völlig egal, ob die Vereinigten Staaten die Achtung und Freundschaft der andern Völker besitzen oder nicht. .... Es gibt ein anderes Amerika, als das Amerika, das seit den letzten sechs Jahren der Bestechung, der Kuhhändel und der Feigheit der Welt gezeigt wurde. Es gibt ein Amerika, das großmütig und einsichtsvoll sein kann, das seine Zukunft auf moralischen Prinzipien aufbaut, auf der Grundlage eines klaren und weitsichtigen Verständnisses für die Wirklichkeiten.“
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns vom Übel. Amen!
Dies hat weniger allgemein menschliche Tragweite. Es ist nur ein Stoßgebet, das mir dieser Tage um die Mittagsstunde Herr Grimmberger ins Ohr raunte, als ich bei Werlings an der Ecke die Kurstafel studierte und aus all den Banken ringsum die hübschen Tippfräuleins mit kurzen Röcken und Haaren heraushüpften.