Original

1. August 1926

Vielleicht - wahrscheinlich - wird es über kurz oder lang bei Ihnen schellen und jemand aus Ihrer Bekanntschaft wird Sie fragen, ob Sie nicht Lose der Lehrerheim-Lotterie kausen wollen und wieviel.

Diese Zeilen sind bestimmt, den Stoß abzuschwächen, den Ihnen diese Frage versetzen wird.

„Was!“ werden Sie im ersten Affekt ausrufen. „Was! Schon wieder eine Lotterie!“

Bitte, ärgern Sie sich nicht weiter, es würde Ihnen in der nächsten Minute leid tun.

Ich weiß nicht, mit wem ich die Ehre habe. Ich weiß nicht, ob Sie Mann oder Frau, verheiratet oder ledig sind, ob Sie Kinder, Enkel, Neffen, Nichten haben, die in die Schule gehen oder ob Sie ein kinderloser Hagestolz sind. Aber ich sage Ihnen auf den Kopf zu: Sie müssen von diesen Lotterielosen kaufen. Sie können nie genug davon kaufen. Ich sage Ihnen gleich, warum.

Seit langen Jahren sind führende Geister unserer Lehrerschaft hinter der Idee her, ein Lehrerheim in Luxemburg zu schaffen.

Sie denken sich das so: Ein Haus, in dem für die Erörterung beruflicher Interessen sowohl wie für gesellige Zusammenkünfte geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung ständen. Daneben - oder darüber, wenn Sie wollen - soll für möglichst viele pensionierte Lehrer, eventuell mit Gattinnen, Unterkunft und Verköstigung geboten werden, also eine Art Pescatore-Stiftung für alte Lehrer. Der Gedanke ist ver- lockend. Die alten Herren hätten dicht am st@ Bildungszentrum ausgiebig Gelegenheit, ihren @ gen Interessen aufzuwarten, mit Gleichgestimm@ darüber zu unterhalten, Erinnerungen auszut@ dazwischen eine Partie Whist zu spielen, kurzum, @ alten Tagen einen idealen Inhalt zu geben.

Den Bauplatz haben sie sich, dank der weitsch@ Initiative geschäftstüchtiger Kollegen, drauße@ alten Eicherberg, in beneidenswerter Lage ge@ Die Stadt leicht erreichbar, die Natur in herrli@ falteten Landschaftsbildern und reichem Ba@ ringsum, jede Sehnsucht leicht gestillt.

Auf diesen schönheitgesegneten Platz konzeut@ sich seit Jahr und Tag die Zukunftsträume @ Lehrerschaft.

Und wir alle sollen es als Ehrenschuld betr@ daß wir zur Erfüllung dieser Träume nach K@ beitragen.

Zunächst und vor allen Dingen, weil die L@ schaft dem Lande das wohltuende Beispiel einer @ entschlossenen Selbsthilfe und einer von Zu@ geschwellten Tatkraft gibt.

Und dann, weil die Geistigkeit unserer Lehre@ der Boden ist, in dem wir schließlich alle mit @ Intellekt und unserm Gemüt wurzeln.

Von ihr empfängt die Nation zuerst Richtun@ Antrieb, sie lehrt uns nicht nur iueoa, so@ flößt uns einen Hauch ihres Charakters ein, übe@ auf uns ihren seelischen Rhythmus.

Wir sind zum Glück nicht in der Lage, daß w@ den Preußen sagen könnten, der luxemburgische @ meister habe uns Schlachten gewonnen, aber in @ Kasernen des Friedens, in denen unsere Kinde@ die unblutigen Schlachten des Lebens gedrillt @ den, soll ein Geist herrschen, der mit Kopfhä@ und Miesmacherei nichts zu schaffen hat.

Dieser Geist verrät sich in dem Werk, das @ Lehrerschaft jetzt unternommen hat.

Der luxemburger Lehrer von heute kommt von @ her und von tief herauf. Es sind noch lange @ hundert Jahre, seit er noch mit dem Dorfhirte@ den Vorrang stritt, wenn er bei den Bauern re@ sich an den Mittagstisch setzen durfte. Er hat @ allerhand Ketten brechen, allerhand Mißa@ überwinden müssen. Mit dem Bewußtsein seiner @ wuchs das Bewußtsein seiner Pflichten gege@ andern und gegen sich. Daraus sproßte der @ kühne Plan, sich in der Hauptstadt ein eigenes @ zu schaffen.

Er wird es schaffen. Und wenn es dasteht, @ Leser, wirst Du Dich freuen und stolz sein, @ Scherflein dazu beigetragen zu haben.

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    Katalognummer BW-AK-014-3245