Was wissen Sie von Wormeldingen?
Sie werden sagen: Wormeldingen ist, wenn man die Mosel hinunterfährt, dann sieht man die Köppchen, u. was darunter liegt, das ist Wormeldingen.
Bitte, wir wollen die Sache etwas wissenschaftlicher anpacken. In Ritter’s geographisch-statistischem Lexikon, Ausgabe 1910, lesen wir: Wormeldingen, Gem. in Luxemb., Kant. Grevenmachern, östl. bei Luxembg., 1. an der Mosel, 2632, Df. 962 E. E. P. T.
So, das wäre also einwandfrei festgestellt: Dorf links an der luxemburger Mosel, 962 Einwohner, Eisenbahn, Post, Telegraph.
Diese Einleitung war notwendig. Denn es sind dunkle Umtriebe im Gang, die bezwecken, uns unser Wormeldingen zu rauben.
Faktisch wurde in einem Lokal zu Ostende dieser Tage ein erster Versuch gemacht, die internationalgeographischen Begriffe zu verwirren. Ein junger Mann der im Auftrag der Heilsarmee die europäischen Dancings besucht, um deren sittliches Niveau zu heben, kam dieser Tage auch in das Femina Dancing, rue de Flandre 7, Ostende. Er brachte mir von dort eine Weinkarte mir, die den Beweis für jenen geographischen Escamotage-Versuch liefert. Da steht nämlich schwarz auf weiß: „Vin du Rhin, Wormeldange, 1920, 40 frs.“
Die übrigen Angaben der Weinkarte sind gedruckt, diese ist nachträglich hineingeschrieben, ein deutliches Anzeichen dafür, daß es sich um eine geschickt geführte Intrige handelt.
Überhaupt ist dies eine mehrfach verdächtige Weinkarte. Unter den weißen Bordeauxweinen, die 40 Fr. kosten grade wie der Wormeldinger Rheinwein, befindet sich auch einer, den sie Gravette Hanapier nennen. Hanapier ist offenbar eine Verstümmelung von Hanesse Pier, und das braucht der sich nicht gefallen zu lassen.
Doch zurück zum Wormeldinger Rheinwein und dem verruchten Annexionsversuch.
Es ist ja allerdings nicht zu leugnen, daß das Moseltal um Wormeldingen herum einen schüchternen Versuch mocht, dem Rheingau zu gleichen. Im Kleinen natürlich. Aber nach dem Engpaß von Ehnen tut sich hier wirklich wieder der erste malerische Fernblick auf, die Gegend holt zu einer weiteren Gebärde in die Runde aus, kurzum, die Sache wird großzügiger. Aber das ist kein Grund, aus dem Diadem der Mosel die Perle Wormeldingen herauszubrechen und sie in die reiche Krone des Rheins zu fügen.
Man könnte sagen, Wormeldingen sollte stolz darauf sein, als rheinisches Winzerdorf mit seinem Wein den Weg in die internationale Gesellschaft eines Ostender Daneing gefunden zu haben. Aber die Mosel als solche darf es sich nicht bieten lassen, daß man sie beraubt, um den protzigen Nachbar zu bereichern. Laßt uns unser Wormeldingen! Ihr habt ja den Johannisberg und den Steinberg und die Liebfrauenmilch und den Aßmannshäuser und Rüdesheimer und eine ganze Litanei stolz klingender Namen. Was verfolgst du meine Herde! ..............
Hier machen wir ein Päuschen und überlegen uns den Fall etwas gründlicher. Vom Bordeauxwein wird gesagt, es sei für ihn das schmeichelhafteste Kompliment, wenn er für Burgunder gehalten wird.
Sollen die Wormeldinger also nicht hingehen und sagen: Sehr, unser Wein ist so gut, daß sie ihn in Ostende für Rheinwein trinken!
Nein, das sollen die Wormeldinger nicht und das werden sie nicht. Denn sie sind überzeugt, daß ihr Wormeldinger besser ist, als der beste Rheinwein.