Original

3. Oktober 1926

Herr Grimmberger hatte einen Mordsschnupfen und schimpfte auf die Postverwaltung.

Freund Leo konnte den Zusammenhang zwischen dem Schnupfen des Herrn Grimberger und der luxemburger Postverwaltung nicht erfassen. „Post hoc, ergo propter hoc?“ erwog er.

„Geben Sie sich keine Mühe,“ sagte Grimmberger. „Ich habe meinen Schnupfen in einem Autobus erwischt. Der Wagen war nicht geheizt. Es war morgens früh. Ich war der einzige Fahrgast. Nein, mir gegenüber saß ein Bäuerlein, das einen niederträchtigen Knaster rauchte. Es stank und ich fror an den Füßen. Jedesmal, wenn ich an den Füßen friere, ist mir ein Mordsschnupfen gewiß.“

„Aber was hat damit die Post ...?“

„Die Postverwaltung sollte bei der Verdinggabe dieser Autobusse vorschreiben, daß sie geheizt sein müssen, sobald die Temperatur der Außenluft morgens um sieben Uhr unter - sagen wir mal 10 Grad Réaumur liegt.“

Darauf entstand eine längere Diskussion über die Temperaturgrenze, die die Heizpflicht des Auto-Unternehmers auslösen soll und besonders über die möglichen Heizungssysteme.

„Da hätte ich eine praktisch erprobte Methode vorzuschlagen,“ sagte Freund Leo, und erzählte folgende Geschichte, die allerdings in seiner mündlichen Darstellung viel mehr Farbe und Relief hatte, als hier auf dem Papier:

„Eines Morgens fuhr ich im Omnibus von Alberschweiler nach Saarburg. Es war im Winter und fror Stein und Bein. Wir trabten vor Abfahrt in kurzen Tritten um den Wagen herum, und wenn wir in die Hände hauchten, wurde der Atem gleich zu riesigen Dunstwolken. Allerhand Bauernvolk aus der Umgebung suhr mit nach Saarburg, wo Marktund Gerichtstag war. Als wir alle Platz genommen hatten, kam der Postillon mit einem aufgetürmten Armvoll Stroh, das er uns über die Füße, an den Beinen herauf bis an die Knie stopfte. Das hielt uns während der Fahrt so wohlig warm. Sie glauben es kaum.

In einer Ecke saß ein Bauersmann und sog an seiner krummen Pfeife. Ich kann nicht sagen, daß er eine besonders gewählte Marke rauchte. Aber das war Nebensache. Übrigens hatte er fertig geraucht, er klopfte die Pfeife aus und steckte sie in die Hosentasche.

Kurz nachher stieg in seiner Nähe aus dem Stroh ein kleines, graues Dampfsäulchen auf. Eine Frau zog mit einem Schrei des Entsetzens beide Füße hoch: „Ich brenne, ich brenne!“

Im Nu war alles auf den Beinen und stürzte aus dem Wagen. Mit knapper Not konnten wir zusammen mit dem fluchenden Postillon das flammende Stroh auf die Straße herausziehen, wo es ausbrannte. Als die Gefahr beschworen war, nahm der Schwager den unfreiwilligen Brandstifter vor und las ihm die Leniten. Der ließ sich nichts gefallen und schimpfte zurück. Wir saßen längst wieder alle zusammen im Wagen, als das Schimpfduett auf der Straße noch immer weiter ging. Schließlich sprang der Postillon auf den Bock, fuhr los und ließ den zornigen Bauer mitten zwischen Alberschweiler und Saarburg im Schnee stehen.

„Ich schlage vor,“ so schloß Freund Leo seine Erzählung, „wir führen für unsern Autobusverkehr diese ländliche, billige und altväterliche Strohheizung ein. Damit wäre zugleich erreicht, daß das Nauchverbot im Autobus strikt eingehalten würde, weil, wie Figura zeigt, der Übertretung die Strafe auf dem Fuß folgt.“

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    Katalognummer BW-AK-014-3259