Original

8. Oktober 1926

Der lästigste, aufdringlichste, frechste, verruchteste Logierbesuch ist der Schnupfen.

Er setzt sich im besten Zimmer, im Erkerzimmer, in der Renommierfront des Hauses fest und belästigt die Passanten durch bubenhafte Anrempelungen und indem er sie mit Selterswasser anspritzt.

Er macht während seines Besuches aus sich selbst die Hauptperson im Hause und aus seinem Wohnzimmer den Hauptraum, nach dem alles konvergiert.

Er verflüssigt ohne dein Zutun, tyrannisch und heimtückisch deinen Organismus durch die Nase hindurch. Du kommst dir vor, als schmölzest du bei leichter Fieberhitze langsam dahin und als liefe in periodischen Abständen der Guß aus deiner weithin leuchtenden Nase, wie aus einem Hochofen.

Jede Tasse Kafsee, jedes Glas Wein oder Bier, das du trinkst, sucht durch tausend Kanäle den Ausweg durch deine Nase.

Der Schnupfen kommt ungerufen, wie jeder lästige Logiergast, und alle Versuche, ihn loszuwerden, sind vergeblich.

Es gibt mehr Schnupfenmittel, als Zigarettenmarken. Das allein schon beweist, daß sie alle nichts taugen.

Man teilt die Schnupfenmittel ein in Mittel für den Schnupfen und Mittel gegen den Schnupfen. Die ersteren gibt es besonders in unserm Land. „E gudd Meitel sir de Sch@app“ wird Ihnen von jedem@ kannten empfohlen.

Zu den probatesten Mitteln für den Schn@ gehört dies: Man laufe sich warm und stelle sich@ hemdärmelig in einen kalten Luftzug, bis man daß es gewirkt hat.

Die Mittel für den Schnupfen sind nicht ga@ zahlreich, wie die Mittel gegen den Schnupfen, sie unterscheiden sich von diesen dadurch, daß sie @

Die Mittel gegen den Schnupfen helfen nämli@ Der Schnupfen ist ein Phänomen, das sich @ auswirken muß, so oder so, genau wie die In@ und der Valutaschwund. Mittel dagegen @ höchstens palliativ oder nur in der Einbildun@ Patienten, wie zum Beispiel Graubrot, Goldk@ zwang, Aspirin und Schnupfenpulver. Wer@ Schnupfen radikal, gewaltsam und vor der Zei@ treiben will, muß schon den Patienten totschla@

TAGS
    Katalognummer BW-AK-014-3263