Original

20. Oktober 1926

Als die Kartoffeln zweihundertundfünfzig Franken das Molter kosteten und es lohnte, sie zu stehlen, da gingen zwei Tagelöhner, die kinderreiche Familien und gar kein Geld für sie hatten, des Nachts mit Säcken und Hacken auf einen fremden Acker, füllten die Säcke mit Kartoffeln und verkauften sie im nächsten Städtchen an einen Hotelwirt.

Sie wurden erwischt, kamen vor Gericht und wurden zu schweren Bußen, Rückerstattung und Gefängnis verurteilt. Aber das Schlimmste war, daß sie in der ganzen Umgegend und wo man sie nur kannte, der Verachtung ihrer Mitmenschen verfielen.

Als die Forellen zwanzig Franken das Pfund kosteten und es lohnte, sie zu stehlen, da gingen zwei Tagediebe, die für niemand zu sorgen hatten und nur Geld brauchten zum Verjubeln, des Nachts mit Säcken und einer Düte Chlorkalk auf eine fremde Fischerei, füllten die Säcke mit betäubten Forellen und verkauften sie im nächsten Städtchen an einen Hotelwirt.

Sie wurden nicht erwischt, kamen nicht vor Gericht und nicht ins Gefängnis und durften ihr Geld in aller Seelenruhe hinmachen. Aber jedermann kennt sie, und das Merkwürdige ist, niemand verachtet sie, trotzdem sie ganz gewöhnliches Diebsgesindel sind, und im besten Fall wird ihr Diebstahl belächelt, wenn nicht nachahmangswürdige Heldentat gepriesen.

Die Erstern hatten einigen ihrer Mitmenschen in Geld abschätzbaren Wert entwendet, nicht gehörte, weiter nichts. Die gestohlenen @ stellten für den rechtmäßigen Eigentümer @ seiner Arbeit, seines Saatguts, seines Düng@ Grundrente dar. Das Ausheben der Kart@ ihm erspart, dafür gebührte ihm keine En@

Bei den andern lag der Fall nur teilwe@

Die Fischdiebe hatten Fische gestohlen, @ nicht gehörten. Aber die waren in gew@ Nebensache. Darüber hinaus hatten sie @ stohlen, was viel, unendlich mehr wert w@ paar Pfund Forellen. Sie hatten einigen @ menschen eine Freude gestohlen. Eine F@ diese bar bezahlt hatten, um sich ein Ge@ gegen die Versumpfung und Verstumpfung @ zu schaffen.

Wer andern Geld oder Geldeswert stie@ gewöhnlicher Dieb, der unter Umständen @ leid, sogar unsre Sympathie und unsre @ dienen kann.

Wer andern außerdem eine Freude stieh@ ein Feind der Menschheit.

Wie sonderbar, daß die einen verach@ während viele über das gemeingesährlich@ der andern lächelnd und manchmal schad@ Achseln zucken!

In Fischerei und Fischpachten stecken hier@ wo Werte, die schon rein materiell nach viel@ den zählen. Die Interessenten verdienen g@ Entwendung und Vernichtung denselben @ Schutz, wie die Eigentümer aller andern @ es wäre verkehrt, wenn einzelne der berufe@ organe in dem täglich schwunghafter betrieb@ frevel nur die Beeinträchtigung einer nu@ haberei sähen.

Noch verkehrter aber wäre es, wenn, @ vorkommen soll, die schlimmsten Fischfrevle@ unter den Fischberechtigten selbst zu suchen@

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    Katalognummer BW-AK-014-3273