Man nimmt jeden Tag von irgend etwas Abschied. Meist ohne es zu wissen, aber manchmal auch bewußt.
Heute nehme ich von meinem Notizbuch Abschied. Es ist voll gekritzelt und ich muß ein neues anlegen.
Was gäbe ich nicht drum, wenn ich das neue in diesem Augenblick so vor mir hätte, wie es sein wird, wenn ich es über drei oder sechs Monate seinerseits werde vollgeschrieben haben.
Ich wolle spekulieren, vermuten Sie?
Nein, so war es nicht gemeint. Ich schreibe n@ den Dollarkurs in mein Notizbuch.
Es ist für jeden Kulturmenschen ein Ere@ wenn er sich von einem verbrauchten Notizbuch @ Es ist wie ein Stück Schattenriß seines Lebens, @ wenn er alle seine Notizbücher zusammenhärte, @ er daraus haarklein seinen inneren und äu@ Lebenslauf herstellen.
Ich nehme nicht ohne leise Rührung mein @ Notizbuch aus der rechten Westentasche, um es @ übrigen zu legen. Es war Monate lang mein F@ und Vertrauter. Ich gab ihm Schätze zu hüten, @ sonst sicher verloren hätte, ich vertraute ihm Ge@ nisse an, ich benutzte es wie eine Wand, in die @ Nägel schlägt, um allerhand daran aufzuhänge@
Ich blättre es durch und fühle mich in sonnige @ zurückversetzt. Hier diese Zeilen sind im sau@ Automobil geschrieben, in der Frische eines @ Ferienmorgens. Diese da in schwüler Nachm@ stunde, nach fröhlichem Picknick an einem übersch@ Bachuser, vielleicht fünfhundert, vielleicht @ Kilometer von zuhause, von drüben aus eine@ samen Wirtshaus an der Heerstraße, wo junge M@ aus der Stadt mit ihren Mädchen tanzten, ka@ melodische Gehämmer eines Drehklaviers.
Hier kommt die Abteilung Adressen. Merk@ wieviele Adressen man des Aufschreibens für @ hält, die später jede Bedeutung verlieren. @ dieser Herr Dürant und jener Herr Schultz@ Parker oder Popowskt? Wo hab ich die getrosse@ sind wir uns so nahe getreten, daß wir die A@ gewechselt haben?
Dieser dagegen, in Chicago, oder Dubuque@ irgendwo am blauen Michigan, oder an Rhein, @ Donau oder Seine oder Maas oder Mosel, vo@ man so gerne Antwort hätte, der schreibt @ Ist er tot? Ist die Adresse falsch? Soll ma@ einmal versuchen, auf die Gefahr hin, zudring@ erscheinen?
Blättern wir weiter.
Auch diesen und jenen Einfall hat man m@ dem Notizbuch anvertraut, ernst und frivol.
„Es ist Neid der Götter, daß sie die schön@ lebnisse und Gesichte meist solchen schenken, die@ nichts anzusangen wissen. Matrosen, Co@ Dichter.“
„Hute dich vor den Menschen, die sich als @ freunde aufspielen: Sie möchten am liebsten mit@ Mitmenschen wie mit ihren Hunden und @ spielen.“
„Willst du eine Mätresse loswerden, so @ ste heiraten. Denn dann erst kannst du dich @ scheiden lassen.“
„Ich sah einen Fuhrmann sein Pferd miß@ Nicht aus Bosheit, sondern weil er das Bed@ hatte, sich gewalttätig auszugeben. Vielleicht h@ seine Frau überm Frühstück geärgert. Wird e@ Tages mit einem Lastauto fahren, so gnad@ seiner Frau, die ihren Blitzableiter verloren @
„Hinter dem roten Tuch der Gerüchte sie@ Jugend nicht den tödlichen Stahl der Wahrhei@ darauf los und spießt sich auf.“
Adieu, liebes Notizbuch. Ich verlasse dich @ Eben fällt mir ein, wie ein Freund mir vor @ erzählte, er habe am Vorabend seiner Hochze@ Nachttischschublade revidiert und darin einen @ @itt durch sein ganzes Junggesellenleben gefunden. @ habe eine stille Träne im linken Auge zerdrückt, als @ ell die lieben Andenken miteinander in den Ofen @te.
Ich werde dich nicht in den Ofen stecken, liebes @zbuch. Aber es fällt mir doch ein wenig schwer @s Herz, daß wir uns trennen müssen.