Die Stadtstraßen haben jede ihren Namen, aber fast immer eine besondere Physiognomie.
Die Dorfstraßen haben keine Namen, aber alle ihr eigenes Gesicht.
Wenn Du einmal durch ein Dorf gekommen bist und dich mit Interesse darin umgesehen hast, könnte man dich unversehens mitten darin absetzen, Du würdest dich sofort orientieren. Während Du in einer bekannten Großstadt unter denselben Umständen manchmal im Zweifel wärest, ob Du Dich in Paris, London, Brüssel, Berlin, Kopenhagen oder Gott weiß wo befändest.
An die Dorfstraße baut jeder nach Belieben. „Wer @ bauet an die Straßen - Muß sich meistern lassen,“ @ hier nicht. Eigentum ist Eigentum, eine Bauflucht @ nicht vorgeschrieben. Und jeder macht sich seinen @plan, wie er es für gut findet. Er darf, wenn @ ihm paßt, sein Haus mit der Rückseite zum Be@uer kehren, nach dem Beispiel Eulenspiegels im @b. Er dürfte, wenn er wollte, unten mit dem @ch anfangen und oben mit dem Keller abschließen. @ so kommt es, daß, wie gesagt, jede Dorfftraße @ scharf ausgeprägte Physiognomie hat, so zwak, @ sie mit keiner andern zu verwechseln ist.
@n den Dorfstraßen gibt sich der Charakter der @ohner, die Dorfseele, kund; sie tut es in der Art, @ sich die Häuser zueinander stellen, denn so stellen @ auch die Menschen zueinander. Es gibt Dörfer, @denen jedes Haus für sich allein, liegt, mit Garten, @raum, „Bongert“. Um seine Bewohner herum ist Kreis gezogen, in dem sie von den andern ab@ndert bleiben.
@nderswo ist der Raum knapper, einer muß an des @ern Giebek bauen. Aber er will nicht gefügig in @er graden Frontlinie stehen, er dreht dem Nachbar @lb die Schulter zu - to show the cold shoulder - @ kalte Schulter zukehren, sagt der Engländer. Ich @ mich mit dir berühren, aber ich will nicht mit @ eins sein, ich will bleiben, was ich bin, ich bin @ Kloos und du bist der Jang, wir mögen gute @unde sein, aber wir wollen einander nicht in die @se gucken, wir wollen scharf die Grenze zwischén @ markieren.
Das ist nicht schlimm. Ein starkes, starrköpfiges @idualitätsbewußtsein gehört zur Bauernpsyche. @ußer der Dorfstraße gibt es auch die Dorfgässel. @ führt fast immer zu einem am Dorf vorbei@ßenden Bach und war ursprünglich Brandgässel. @ der Häuserflucht der Hauptstraße war eine Lücke @en, damit man bei Feuersbrünsten ohne Umweg @ Wasser käme, und diesen Brandpfad entlang @anden die Häuser der Ärmeren.
@ede Gässel ist eine Welt für sich. Die Gäßler @nen dichter aufeinander und halten je nach Ver@ung zusammen wie Kletten oder befehden sich @unig. Und da die Nähe die beste Nahrung ist für @ und Haß, so sind die Gäßler in allem, was @schaft ist; stärker betont, als ihre Dorfgenossen. @sschlag ist in dieser Nebenader stärker oft und @ als in der Hauptader. Die Sucher, die @erer, die Streber, die Fortschrittler sind meist in @ässeln zuhaus. Denn sie haben zu steigen, bis sie @ den Hauptsträßlern gleich stehen.
@ ist etwas Herrliches um Ordnung und Disziplin @ grade Linie und Klarheit. Aber es ist auch etwas @rbares um Originalität.