Original

16. November 1926

Unser Bewetter war so liebenswürdig, die Journalisten in den Lichtkegel seines Scheinwerfers @ letzten Sonntag zu rücken.

Der Journalist wird manchmal zum Reda@ wie Volk zu Publikum wird. Darum fühlte sich @ andrer Herr veranlaßt, auch über den Redakteu@ Wörtchen einzuflechten.

Da drei noch immer göttlich ist, darf hier @ kleine Rede Platz finden, die kürzlich bei einer i@ nationalen Zusammenkunft von Zeitungsleuten e@ davon hielt. Er sagte:

Ich begegnete kürzlich einem Bekannten, der @ mich zukam, mich beim obersten Rockknopf faßte @ sprach: Ihr in der Presse macht Euch so gern @ Vereinsmeierei lustig, und nun hört man jeden @ daß wieder ein Presseverein gegründet wurde. @ lieber Freund, entgegenete ich ihm, bei uns ist @ eine ganz andere Sache. Sieh mal, Vereinsmei@ wird im Volksmund gemeinhin gleichgesetzt mit @ simpelei. Die ist bei uns ausgeschlossen. Ich @ davon ab, daß wir uns zu Vereinen eigentlich @ deshalb zusammenschließen, um unsere ganz beson@ Berufsinteressen geschlossen zu vertreten. Aber @ wir uns bei unsern Zusammenkünften unterhal@ so wird daraus keine Fachsimpelei, wie wenn in @ Kaninchenzüchterverein über die Vor- und Nach@ der blauen Riesen diskutiert wird, eben weil @ Fach nicht so fimpel ist, und weil es das ganze L@ mit all seinen materiellen und geistigen Inte@ umspannt. Wir sind sozusagen der Filtrierapp@ des Gesamtlebens, durch uns filtriert gelangt es @ die Leserwelt. Und Sie wissen, die Flüssigkeiten, @ durch einen Filtrierapparat hindurchgehen, hi@ lassen darin Stoffe, die nicht immer einwandfrei @ Auch bei uns setzen sich s@che Verunreinigunge@ Apparat fest, Voreingenommenheit, Nervo@ Müdigkeitsgifte, Ekel usw. Dann kommen wir z@ men und spülen uns gegenseitig die Filter aus@ besten und liebsten mit einem guten Tropfen Im lament eines unserer Nachbarländer wurde @ eine lange Debatte gepflogen über den Mißb@ geistiger Getränke, bei der ein Abgeordnete@ Behauptung aufstellte, der normale Mensch @ ohne Schaden an Leib und Leben, nur 25 G@ reinen Alkohol pro Tag zu sich nehmen. Zu J@ Beruhigung kann ich Ihnen mitteilen, daß @ anderer Seite auch für einen vernünftigen Trun@ Lanze eingelegt wurde. „Ich sehe“, sagte diese@ teidiger des goldnen Mittelweges, „in dem @ haus nicht eine Tränke, sondern einen Ort @ geselligen Zusammenkunft und der Zerstreuung @ der Mann mit seinesgleichen zusammenkommt. @ Zusammenkommen ist notwendig, um der berufl@ Verbildung entgegenzutreten und uns mit den @ schauungen und den Sorgen unserer Mitmenschen @ kannt zu machen. Gewiß läßt sich ein Geda@ austausch auch ohne die Hilfe geistiger Getränke @ führen, aber wo man auch hinschaut, ist die Z@ menkunft niemals trocken.“

Wir sollen, wenn wir uns im Zeichen unserer @ eine treffen, auch jeden Niederschlag von P@ streitlust aus dem Filter herausspülen. Ich den@ immer an den guten alten Götz von Berlichingen, @ er nach der Gefangennahme Weislingens hei@ und zu seiner Frau sagte: „Schnallt mir den Ha@ auf und reicht mir mein Wamms, die Bequemli@ wird mir wohltun.“ Und wie Frau Elisabeth zu @ Schwägerin Maria sagte: „Nimm den Kellersch@ und hol vom besten Wein, sie haben ihn verdien@

Wenn der Götz dann aber den Harnisch wiede@ legt, dann führt er eine andere Sprache, dann sch@ er nötigenfalls dem Gegner das Fenster auf der@ zu und sagt das Wort, das auf Flügeln des H@ - wenn er auch ein bißchen derb ist - Seite an @ mit dem ebenso geflügelten Wort Cambronne’s @ die Geschichte fliegt.

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    Katalognummer BW-AK-014-3294