Original

20. November 1926

Das Jahr stirbt in Schönheit. Denn die Bl@ starben und sterben eines natürlichen Todes. @ stiehlt ihnen ein Nachtfrost ihre letzten, m@ Sonnentage. Dann fallen sie wie zerknitterte Pa@ blättchen von den Bäumen und liegen auf Pfad @ Rasen, verblichen, nicht in den warmen Farben @ Herbstes, flammend gelb und rot und braun, @ dern blaß, anemisch, von einem giftigen Sch@ furter Grün, wie es niemals lebende Blätter h@

Diesmal also durften sie hängen bleiben, bis @ ausgelassener Novembersturm sie zum Tanz @ forderte. Und so tanzten sie in den Tod.

Und immer, wenn ein Teil abgeblättert war, @ ein Dauerregen und tat, als ob er aufwaschen w@ damit Platz würde für andere.

Die Kastanien waren am ersten mit ihrer S@ toilette fix und fertig. Sie stehen da, sauber und @ wie Frauen, die sich für die Nacht die Locken in W@ gelegt haben. Ein wenig trotzig sehen sie aus@ wollten sie sagen: Wenn es dann und es soll @ anders sein, gut, dann aber bitte sofort! Un@ prahlen mit ihrer nackten Knorrigkeit. Das schw@ Gesträuch biegt sich im Wind und streckt wie@ Angst um die paar übrigen Blätter die Z@ klagend hinaus, wie Kinder, die die Hände @ rufend hinausstrecken, wenn einer ihnen das B@ brot rauben will.

Die Fichten lachen die Lärchen aus, weil au@ ihre Nadeln gilben und vom Wind sich ab@ lassen, wo sie doch von einer Familie her sind, @ man sich das nicht gefallen zu lassen braucht @ gelten bei der Nadelholzsippe ein wenig als pe@ wie auf dem Dorf eine Frau gälte, die sich ihr @ oxygenieren ließe. Bur und Liguster, Eseu und e@ andre hartgesottene Kunden aus der Familie @ von Blatt kassen sich ihr grünes Kleid vom H@ nicht ausziehen. Sie erleben dafür freilich im @ ling auch nicht die Freude, die den andern m@ neuen Frühlingsgewand erwächst. Efeu, Buchs @ Liguster wären keine passenden Warenzeichen @ Fabrikmarken für Damenschneider.

Es entspricht einer alten, bequemen Sitte, a@ Blätterfall Betrachtungen über den Tod zu kn@ Das paßt schlecht in unser heutiges Kulturlebe@ die Dinge der Natur auf den Kopf gestellt sind @ grade im Winter die Gesellschaftsmaschine die @ Tourenzahl erreicht. Dies kann nicht der E@ der Entwicklung der Menschheit sein. Am letzten @ muß sie doch, soll man an ihr nicht verzweife@ ein Stadium münden, in dem sie ohne Schlag @ Stoß, ohne Reibung, ohne Säuren in den Kugell@ ihre Bestimmung erfüllen kann. Ein Stadium, in @ selbst der Tod ihr nicht mehr schrecklich, weil n@ gegeben sein wird.

Das wird eine Zeit sein, in der, wie heuet @ Blätter, die Menschen alle eines milden, natür@ Todes sterben werden. Eine Zeit voll Jung Sti@ Stimmung. Es wird nicht mehr vorkommen, daß @ eisiger - oder eiserner - Sturm hindurchfährt @ sie millionensach vorzeitig vom Baum des Le@ reißt.

Aber je mehr man die Zeitungen liest, desto we@ wagt man auf einen baldigen Anbruch dieser Ze@ hoffen. Und so wird es denn noch eine Wei@ bleiben, daß beim Blätterfall Gedanken an den @ heraufbeschworen werden.

Auf römischen Grabdenkmälern kann man @ bilder des Frohsinns sehen: Leichtfüßige Tänzeri@ die nichts von Klageweibern an sich haben.

Wetten, daß die alten Römer beim Blätterfall @er an den neuen Wein im Faß dachten, als daß @ch über den Tod trübsinnige Gedanken machten. @elleicht, wenn die Welt noch einmal den Weg @acht haben wird, den sie von der Römerzeit bis @ie gemacht hat - vielleicht hat die Menschheit @ auch wieder die Angst vor dem Tod überwunden.

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    Katalognummer BW-AK-014-3298