Original

23. November 1926

Luxemburger in der Fremde sind immer voller Illusionen über dies und das, was sich hier in der Heimat wohl machen ließe. Ab und zu kleidet einer seinen Traum in Worte und schreibt uns einen Brief. Er glaubt an das Wort der Presse von der siebenten Weltmacht und meint, wenn er von der Plattform einer Zeitung herab seinen Stein ins Rollen bringt, so wird er rollen, wohin er will.

Wir tun ihm den Gefallen und lassen ihm seinen Glauben. Oft ist ihm ja schon geholfen, wenn er seine Idee starten durfte. Manchmal aber steckt hinter solcher Anregung mehr, als der bloße Wunsch, auch einmal zu Wort zu kommen. Mit Geld und gutem Willen ließe sich damit etwas anfangen. Nur schade, daß man das Geld nicht vortäuschen kann, wie den guten Willen.

Unser Landsmann Herr L., „chef du cabinet d’architecture de M. R. Ed André“ in Paris, hat, wie jeder Luxemburger, einen Span gegen die sogenannnte Villa Louvigny in unserm Stadtpark. Die ältern Generationen verzeihen ihr gern den usurpierten Namen Villa, auf den sie nie einen Anspruch hatte, denn die haben dort zur Zeit Papa Ambergs schöne Stunden verlebt. Heute sieht das Ganze direkt verboten aus, und Herr L. hat vollkommen recht, wenn er dies Grundstück als einen Schandfleck in unserm schönen, von Ed. André geschaffenen Park empsindet. Nebenbei befürchtet dieser Fachmann auch, daß unserm Park durch allerhand Verballharnungen, stellenweise der reine Stil abhanden kommen könnte, in dem er entworfen und durchgeführt wurde. Vor längerer Zeit waren tatsächlich Versuche dieser Art mit dem großen Rasenplatz im obern Park gemacht worden.

Um nun den Krebsschaden des Louvigny aus dem Stadtpark hinauszuätzen, macht Herr L. den Vorschlag, die Stadt solle das Ganze auf Abbruch kaufen und dort einen großen Landes-Rosengarten anlegen. Man merkt, für die Pariser sind wir immer noch das Land der Rosen. Er denkt sich eine nach allen den Regeln der Kunst geschaffene Anlage, in der alle hierzuland gezogenen Rosensorten vertreten sind und derart gepslegt würden, daß alle Rosenli@ dort ein Mustervorbild fänden. „Wir hätten @ meint Herr L. - eine Dauerausstellung der @ nisse einer unserer schönsten Industrien ges@ Der Rosengarten müßte nebenher alle Anne@ keiten für die Besucher bieten: Café und Rest@ Kiosk für Konzerte im Freien, Kinderspielpl@ ein Wasserbecken mit Springbrunnen denkt @ L. dazu, und es wäre ja sehr schön, aber @ nicht in Wasserbillig (pardon!), das Wasser @ uns sogar ziemlich teuer zu stehen und grade in@ sommer läge das Becken wahrscheinlich immer @

Ach ja, Herr L., Sie haben recht, das feh@ das müßten wir haben, damit unser Part @ Zweck erfüllte. Wie schön das klänge, wenn v@ bis September der junge Mann sagen @ Mieze, heute abend neun Uhr im Rosengarten! @ sich die Luxemburger an heißen Sommerabende@ aus in die Kühle retten könnten und ihr Bi@ ihren Kaffee trinken und dazu gute Musik hö@

Aber man sieht. Herr L., daß Sie in der @ nicht mehr Bescheid wissen. Sie wissen nicht, @ Gelegenheit, den Lonvigny zu kaufen, verp@ daß wir dazu kein Geld haben, daß die Leu., @ es ankommt, wahrscheinlich immer noch An@ den Caféwirten am Paradeplatz haben, daß @ Luxemburger Spießbürger, für den der Par@ Gegend von Dippach liegt, immer noch viele @ in der Hand hat. daß unbegreiflicherweise das @ esse für unsern Stadtpark immer mehr im Sch@ begriffen scheint, daß wir immer den Mu@ Tourismus und Fremdenverkehr voll nehmen @ nicht klar machen, daß es Geld kosiet, aus Lu@ eine Fremdenstadt zu machen, in der es sich @ leicht und luftig leben läßt usw. usw.

Herr L., tun Sie Luxemburger im Aus@ einmal zusammen, bilden Sie einen Verein und @ Sie uns von außen zu Leib, machen Sie @ außen her klar, daß wir allesamt Spießer und @ fexe und Krähwinkler sind, schonen Sie un@ halten Sie uns den Spiegel vor, sparen Sie @ Pathos noch Sarkasmus, stechen Sie mit Na@ hauen Sie mit Pritschen, bis wir uns bla@ und sagen, das ginge Sie gar nichts an.

Vielleicht geschieht dann etwas.

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    Katalognummer BW-AK-014-3300