Herr Abbé Breisdorff, der um die 1880er J@ den Kanton Redingen in der Kammer vertrat, @ die erstauntesten Augen machen, mit denen je @ Gesandter des Volks seine Kollegen angeblickt h@
Ich gäbe etwas drum, könnte er heute nur @ Minuten an seinem alten Platz, so ungefähr zw@ den Herren Dondelinger und Origer sitzen und @ Bild der heutigen Volksvertretung mit Augen @ Ohren in sich aufnehmen. Er fiele totsicher aus @ Ohnmacht in die andre, wenn er hören könnte, @ Herr Erpelding mit den Notaren umspringt und @ Herr Krier den Kaplisten den Garaus macht.
Völlig aus den Fugen aber gingen seine Augen @ Ohren, wenn er auf einmal die einzige Dame @ Hauses, Frau Thomas, in den Saal treten sähe, @ wenn er plötzlich in die rauhen Töne aus Män@ kehlen hinein einen weiblichen Sopran sein @ „Présent“ oder sein spitzes „Oui!“ werfest hörte. @ wenn dann ein Redner die Tribüne erkletterte - @ die Tribüne würde Herr Breisdorff mit den B@ verschlingen -, seine Mappe und das Glas @ zurechtrückte und seine Rede begänne mit den W@ Madame, messieurs!
Herr Abbé Breisdorff war allzeit ein friedliebe@ Mann und ruhiger Bürger, der niemals wegen @ gebührlichen Benehmens zur Ordnung geruse@ werden brauchte. Aber da wäre doch sein Te@ ment gestiegen, wie ein Schlachtroß, und er @ gerusen: Taceat mulier in ecclesia!
Ganz sicher gibt es im Lande Damen, die @ Thomas um die Ehre beneiden, als einzige @ Geschlechts in einer Männerversammlung zu sitze@ sich jedesmal durch eine besondere Anrede h@ gehoben zu hören. Dieses „Madame“ ist ganz @ und extra für sie, sozusagen auf Maß gemacht. @ zwei Damen in der Kammer, so hietze es @ dames“ und wäre lange nicht dasselbe. Madam@ zielt immer nur auf die eine und heißt gewisser@ Sehen Sie, Sie sind für sich allein so viel we@ alle die Messieurs zusammen.
Diese Galanterie unseres Parlaments hat @ Meyers schon schlaflose Nächte bereitet. In der @ alten eingeschlechtlichen Zeit unserer Ka@ durste er ruhig seine Neden anfangen: @ Herren! Aber jetzt? Übersetzt klingt das Mad@ total aufdringlich. Meine Dame! Oder soll er @ Gnädige Frau? Oder: Liebe Frau Kollegin? Ei@ hilft sich aus der Klemme, indem er einsach Ma@ für das deutsche Vokabularium annektiert.
Ein Fremder wird sich sicher in unserer Ka@ des Eindrucks nicht erwehren können, daß die ei@ Dame unter all den rücksichtslosen Parlament@ doch verhätschelt werden müßte, wie in einem @ eine einzige Tochter, die sechs Brüder hat. @ Thomas scheint dem Spaß nicht zu trauen, und @ sich die Brüder prügeln, mischt sie sich liebet @ hinein.
Es ist nicht ausgeschlossen, daß sich das Verh@ einmal umdrehen und das Parlament lauter F@ und mitten dazwischen nur einen einzigen @ zählen wird. Wir sind nie vor einem neuen Ze@ der Gynäkokratie sicher.
Nehmen wir an, dieser einzige Mann sei @ Emil Mark.
Nehmen wir an, Frau Lily Becker besteig@ Tribüne und hebt eine Philippika gegen die M@ also an: Monsieur, mesdames!
Welch erhebendes Gefühl müßte dies nun wie@ für Herrn Mark sein! (S. oben.)
Und ob da nicht dem zartbesaiteten Parlame@ angenehmes Gruseln und eine kribbelnde An@ möglichen Ausfällen des Herrn Mark über die @ Saiten liefe?