Original

15. Dezember 1926

„Kommt mer spille Gasperle’!“

Pardon, geneigter Leser, es ist nicht so gemeint, wie Du meinst, daß es gemeint sei.

Sondern es handelt sich tatsächlich um eine Propaganda für den richtigen Kasperle. Er hat unter uns einen Apostel, einen Johannes der Täufer gefunden, der vor ihm her geht und ihm die Wege bereitet. Du kennst ihn. Er heißt Peka Er sieht wirklich aus, als nähre er sich von Heuschrecken und wildem Honig und als gehe er am liebsten in der Wüste spazieren. Er ist der elegische. Spaßvogel, bei dem der Schelm in den Augen hinter einem Tüllvorhang sitzt. Einer, der im Lachen zu weinen und im Weinen zu lachen weiß.

Er gehörte immer zu den Allerbesten unserer Theaterliebhaberiruppen. Eigentlich ist er Bildhauer, aber was er so mit Modellierholz und Meißel gestaltet genügt ihm nicht, seine Augen sahen so viel Gestaltenswertes an Menschtum, daß es ihn erst auf die Bühne und dann in die Werkstatt des guten alten Kasperle trieb.

Man weiß, daß sich unter dem Pseudonym Peka der Bildhauer Paul Kremer verbirgt.

Seine originelle Veranlagung hat ihn von Wendung zu Wendung geführt, bis er folgerichtig bei dem Genre landete, das ihm am besten liegt und in dem er sich ganz ausgeben kann. Erstens macht ihm das Technische keine Schwierigkeiten, und zweitens ist hier ein weites Feld für seinen trockenen Humor, der, wie Schießpulver, im Puppenspiel um so besser brennt und knallt, je trockener er ist.

Über das Psychologische in der Wirkung des Kasperle und seiner Gesellen wären Bücher zu schreiben. Da ist erst der Neiz der Typisierung, grade wie beim Tünnes. Für jede Sinnesart ist ein Träger im Erbamt vorhanden, es steht von vornherein fest, wer die Witze macht, wer die Hiebe austeilt und bekommt, wer der Dumme ist und wer schließlich gehängt, verbrannt oder ersäuft wird. Das ist für das Empfangsvermögen der Kinder wesentlich. Sie verlangen nichts Neues, aber sie verlangen, daß sich das Alte so abspiele, wie sie es immer gesehen haben. Sie beben schon vor Lust, wenn Kasperle die Pritsche zückt, weil sie wissen, daß es gleich klatschen wird.

Die Alten aber sehen hinter jeder Puppe das Lebendige, das hier in komischer Stilisierung menschliches Geschehen in Ernst und Scherz übertreibt. Die verantwortungslose rücksichts- und grenzenlose Übertreibung macht sich souverän über Tod und Leben. Himmel und Hölle lustig und löst einen aus der Pedanterie des Alltags auf ein Stündchen wohltuend los.

Peka läßt im Verlag Jos. Beffort ein erstes Heftchen mit zwei Kasperle-Stücken „für Groß und Klein“ erscheinen; das erste ist ganz von ihm und heißt „Liewerwurscht“, das zweite, nach dem bekannten Münchener Puppenspiel-Protagonisten Grafen v. Pocci heißt „Dem Beckerelli seng Paschte’t“. Aus @ Titel „Kommt mer spille Gasperle’“ dürsen @ schließen, daß der Ton getroffen ist. Das erste @ eudigt mit der Hinrichtung des Helden: „Packt @ mat Krop an Zangen, A mat him an ’t Schw@ mier! Djing, djing, djing!“ Darunter ein gru@ Bild des „Hellepull“, der also jetzt endlich sei@ stimmung gefunden hat.

Peka und sein Mitschuldiger, der vorläufig @ nicht in die Öffentlichkeit tritt, sollen demnäch@ einer Veranstaltung der Boy-Souts debütieren. @ die Puppen, die sie angefertigt, d. i. geschnitzt @ bekleidet haben, kursieren die verlockendsten Ger@

Wir können auf der wirklichen Bühne mit @ Ausland nicht konkurriere@. Wer weiß, ob wit @ nicht im Kasperle zu internationaler Berühr@ bringen?

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    Katalognummer BW-AK-014-3318