Original

17. Dezember 1926

Ein junger Mann hat etwas Außerordentliches, Erstaunliches, Seltenes, dabei sehr Verdienstvolles getan.

Nicht, daß er einem das Leben gerettet, einen Keiler von 300 Pfund geschossen oder gar den Franken gestürzt hätte.

Er hat Bücher geschenkt, wertvolle Bücher, eine Anzahl schön gebundene Jahrgänge der „Revue des deux Mondes“ hat er der Bibliothek des Volksbildungsvereins geschenkt.

Hätte er sie an eine Antiquariatshandlung verkauft, es wäre eine fröhliche Pariser Reise dabei herausgesprungen.

Er zog es vor, sie dem Volksbildungsverein zu schenken. Nicht daß er ein großer Tugendbold wäre und eine Pariser Reise nicht zu schätzen wüßte. Aber er hat Verständnis für den Wert einer guten Lektüre und wünscht sie seinen Mitmenschen. Er verdient dafür, daß sein Beispiel öffentlich zur Nachahmung empfohlen wird.

Es gibt immer noch Luxemburger, die Bücher kaufen. Man sollte es nicht sagen, aber es ist so. Von Zeit zu Zeit kaust ein Luxemburger ein Buch. Nicht so häufig, wie einer ein Haus kauft oder ein Auto, oder einen Pelzmantel, aber es gibt doch Fälle. Ein mir bekannter Buchhändler begegnet mir ab und zu und sagt: Vorgestern hat wieder einer bei mir ein Buch gekauft.

Man kanst Bücher nicht immer nur, um sie in einen Bücherschrank zu stellen, damit es darnach aussieht.

Manche liest man.

Es gibt Bücher, die ihren Zweck erfüllt haben, wenn man sie einmal gelesen hat. Es sind die Bücher, von denen die öffentliche Meinung sagt: Das muß @ gelesen haben. Sie sagt es zwei Wochen, sie sagt @ drei Wochen, vielleicht sechs Wochen lang, se@ länger.

Dann gibt es Bücher, die man zweimal liest, die @ verdienen, daß man sie zweimal liest. Andere d@ mal. Dann sind sie, wie eine abgegessene Traube. @ haben einem nichts mehr zu geben.

Aber andre, die sie noch nicht gelesen haben, hät@ davon Gewinn. Andre würden ihnen ein p@ Stunden gesunde Unterhaltung verdanken, oder @ sogar an ihnen emporlesen.

Was tust Du, lieber Freund, mit solchen Bücher@

Du siehst, ich zähle Dich zu den Seltenen, die @ uns Bücher kaufen.

Was tust Du mit all den Büchern, die Du sch@ uneingebunden kaufst, weil Du nicht weißt, ob Du@ zu Deinen elegant gebundenen Klassikern oder selten@ Ausgaben usw. in die Reihe stellen wirst? Bücher, @ Du von der Reise mitbringst, deren Titel Dich @ einem Schaufenster gelockt, die ein Bekannter D@ empfohlen hat? Es ist sicher viel Gntes dabei, a@ es sind keine Bücher, die man seinem eisernen Besta@ einverleibt, keine, zu denen man immer zurückleh@ keine von den Immergrünen, die durch die Zeit@ dauern. Es sind Bücher, die im Kreislauf der D@ um Dich herum immer weiter von Dir abrücken, @ sie in einer leeren Weinkisie auf dem Speicher la@ und verstauben, bis einmal aufgeräumt wird o@ bis sie bei einem Umzug irgendwie abgestoßen werd@

Das sind Bücher, die Du dem Volksbildungsvere@ für seine Bibliothek schenken sollst. Da erfüllen @ ihren Zweck, ein- bis dreimal gelesen zu werden @ vielen Hunderten, denen sie Freude machen.

Die andern, ja, die gibst Du nicht her, die steh@ in Deinem Bücherschrank bereit für Feierstunden @ Geistes, bis Du stirbst und einer sie erbt, dem @ wieder grade so teuer sind, wie Dir.

Es sei denn, daß er sie doppelt hat. Dann schenkt @ auch sie der Bibliothek des Volksbildungsvereins.

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    Katalognummer BW-AK-014-3320