Original

22. Dezember 1926

Einige Sprüchlein aus einem abgedankten Notizbuch gefällig:

Es gibt Männer, die dabei gewännen, wenn sie als Großväter auf die Welt kämen.

Wir sind schon so demokratisch, daß jeder Trambahnschaffner, wenn die Fahrtaxe erhöht wird, die reklamierenden Kunden beschwichtigt, indem er sagt: Es ist für einen wie für den andern.

Eine Frau und ihr Mann gerieten in Streit, weil sie gesagt hatte, eine andere Frau sei schön, und weil er damit einverstanden war.

Im Umkreis eines jeden Mannes wächst immer eine Frau heran, die allein zu ihm passen würde, aber sie wird allermeistens von einem andern geheiratet.

Die Tatsache, daß sich die meisten Bazillen in der Mundhöhle und auf den Banknoten finden, hat noch keinem das Küssen und das Geld verleidet.

Um mit den Enden zusammen zu kommen, muß man immer auch ein wenig auf die Mitte sehen.

Es werden mehr Prozesse aus Rachsucht, als aus Gerechtigkeitsgefühl geführt.

Wer jedermann anbellt, darf sich nicht wundern, wenn er als Hund behandelt wird.

Wenn ein Auto dich anspritzt, kann es ebenso gut die Schuld des Straßenbauamtes, wie des Chauffeurs sein.

Unsere luxemburger Außenpolitik muß sich darauf beschränken, nein zu sagen. Ja sagen für uns die andern.

Weil wir in einem fort reden können, erfanden wir die Füllfeder, um auch in einem fort schreiben zu können. Aber die Füllfeder hat eine goldne Spitze.

Der erste Schnee braucht nicht liegen zu bleiben, er martiert doch immer die Grenze zwischen Herbst und Winter. Also geben Sie es auf, Gnädigste, sich die ersten weißen Härchen auszurupfen.

Bücher sind nicht stumm. Ein Satz macht kund, ob sie in Sopran, Alt, Tenor, Baß oder Bariton singen oder ob sie nur schwunglos in einer dieser Stimmen reden.

Sonderbar, daß die Bequemlichkeit, mit der wir das elektrische Licht anknipsen, in uns nicht die Liebe nach unmittelbarer Wahrheit gestärkt hat.

er reibt sich die Stirne, wie um seine Gedanken im Fluß zu bringen. Warum ausgerechnet die Stirne.

@ Ihnen noch nicht aufgefallen, daß sich taube @t viel schwerer knacken lassen, als volle?

@ünner eine Tinte, desto flüssiger ist sie. Ist es @ Rede vielleicht anders?

@ den wirklichen Gründern einer guten Sache @eist am wenigsten geredet, weil alle Funda@immer unterm Boden liegen.

@ Köche verderben den Brei, also essen wir @Trüffelpastete.

@ Athletismus würde bei unserer Jugend erst @ populär, wenn es Mode wäre, daß die Athleten @ Badehöschen gingen.

@ Wein verzapft, soll selbst davon trinken, und @orträge hält, soll sie selber anhören müssen. @ würden Wein und Vorträge vielleicht genieß@

@zipten sind wie Transtiefel, manchmal un@n und nicht salonfähig, aber man bekommt damit @ nassen Füße u@ keine Gewissensbisse.

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    Katalognummer BW-AK-014-3324