Morgen, Sonntag, nachmittag 5 Uhr, zeigt unser rühriger Swimming Club zusammen mit dem Antwerpener Cercle de Natation in unserm schönen städtischen Hallenschwimmbad Wege zu Kraft und Schönheit.
Diese Feste des Swimming sind rasch beliebt geworden. Sie sind eine vorzügliche Propaganda für einen Sport, der uns von allen am nächsten an die Natur heranbringt.
Neben der Kunst ist es bekanntlich der Sport, der am eifrigsten einen gesunden Internationalismus fördert. Man könnte von ihm sagen, daß er die rohen Gewalten, die angeborene menschliche Kampfgier, die sich im Krieg austoben, in friedliche Bahnen zu lenken bestimmt ist.
Von keinem Sport gilt das so unbedingt, wie vom Schwimmen. Es ist, als ob das Wasser, in dem groß und klein, alt und jung, Männlein und Weiblein aus Antwerpen, Köln, Paris, Trier, Luxemburg, London, Rom, Wien usw. usw. fröhlich herumplätschern, ein Bindeglied sei, in dem alle mit dem Hemd ihre nationale Überspitztheit ausgezogen haben, um sich in reinem Menschtum solidarisch zu fühlen, solidarisch im Ringen nach Rhythmus und Harmonie, nach Kraft und Schönheit.
Es ist eigentlich allerhand, daß hier in Luxemburg der Schwimmsport so hoch kommen konnte. Er ist „im Grund“ genommen ein Seitensproß des alten Kasernendrills. Denn seine Heimstatt war von alters her die Militärschwimmanstalt am Wehr der Hastertschen Mühle im Grund. Wer hat nicht plötzlich, beim Erwachen dieser Erinnerung, im Mund den Geschmack und in der Nase den Geruch des Alzettewassers, das er in den Wochen, da er dem Unteroffizier an der Leine hing, so oft unfreiwillig schluckte, das er später in der Rückenlage tritonenhaft in schlankem Strahl in die Höhe blies, dem man gerne den gelegentlichen Ölglanz mit Regenbogenfarben auf der Oberfläche und den Schlamm auf dem Grund verzieh, weil die Stunden da drunten im Grund, im Schatten der himmelanstrebenden Brücke zu den schönsten des Sommers zählten.
Daß die Jungens und Mädels in Trier, Köln, Metz, Straßburg. Antwerpen usw. als Wasserratten aufwachsen, ist kein Wunder und kein Verdienst. Sie können von ihren Haustüren aus ins Wasser springen, in ein reichliches, lockendes Wasser. Wir hingegen liegen hier an die 400 Meter über dem Meeresspiegel und zumeist an die 50 Meter über dem nächsten Wasserspiegel, der für Schwimmzwecke in Betracht kommt. Da gehört schon das heilige Feuer dazu, um einen ins Wasser zu locken. Der Heimweg den Grundberg herauf ist zwar eine vorzügliche Reaktion, aber in der Sommerhitze immerhin eine Zumutung. Und man muß bedenken. daß unter den Feinden des Sports die Sommerfaulheit als einer der Hauptfaktoren in Rechnung zu stellen ist.
Trotzdem gab es hier von jeher eine tüchtige Schwimmerriege, und seit dank unserm städtischen Hallenschwimmbad die Winterpause ausgefallen ist, wird das Schwimmen immer populärer. Sodaß es nicht ausgeschlossen ist, daß wir durch einen Ärmelkanalbesieger auch einmal international berühmt werden.
Bis dahin sei dem Swimming zu seinen schönen Festen volles Gelingen gewünscht.