Original

30. Januar 1927

Als Herr Grimmberger mir vor einigen Wochen seinen Kampf mit dem Hemd erzählte, ahnte er nicht, daß er einen berühmten Leidensgenossen hatte.

Ich habe diesen inzwischen gesehen. Auch er hatte einen Kampf mit dem Hemd zu bestehen. Ich sah ihn im ersten Stadium, wo er das Hemd über den Kopf gezogen hatte und der linke Arm bis an die Manschette, hochgereckt, in den Ärmel vorgedrungen war. Es glich einem Iguanodon oder auch einem Känguruh. Im letzten Stadium hatte der Mann sein Hemd an Stricken kanalförmig und horizontal aufgehängt und schickte sich an, von der Kommode aus durch einen Kopfsprung hineinzugelangen.

Dieser Leidensgenosse des Herrn Grimmberger liegt aber tagtäglich im Kampf nicht nur mit seinem Hemd, nicht nur mit allen sonstigen Bekleidungsstücken, vom Schuh bis zum Hut inklusive Hosenträger, nein, er balgt sich herum mit allem Materiellen, was im Leben eines Mannes vorkommen kann, mit Katzen, Dackeln, Möpsen, Mäusen, Vögeln, Regenschirmen, gefangenen Aalen, Boxern, Reitpferden, Handtüchern, Öfen, Kaffeekannen, Stühlen, Zigarren, Feuerzeug, Weckern, Leitern, Wegelagerern. Tauchern, Nähnadeln, Fahrrädern, Füllfedern, Leierkastenmännern, Bräuten, Zöllnern, Stieren, Robben, Bären, Schlangen, Zahnweh, Explosionen, mit allen Widerwärtigkeiten, die komisch wirken, weil sie jedem schon passiert sind, und nicht zuletzt mit seinem bessern Ich, das ihn, wie ein Schutzengel geflügelt. begleitet.

Weil sein Schöpfer sich bewußt war, daß dieser Mann dank seiner Schicksale das Gesicht der Durchschnittsmenschheit trug, nannte er ihn Adamson, Sohn des Adam. Vielleicht schafft er ihm als Gegenstück eines Tages auch die Evatochter. Aber das wird für ihn schwieriger sein. Da er ein Mann ist, und die Evastöchter bekanntlich immer behaupten, sie seien für die Männer ein ewiges Geheimnis. Worüber sich streiten ließe.

Dieses Adamsones Vater ist der junge schwedische Karikaturist Jacobsson. Er hat Wilhelm Busch, Gulbransson, Caran d’Ache, Rabier amerikanisiert, Caran d’Ache übertrieb den Typus des feierlichen Dummkopfs, Gulbransson den des deutschen Philisters ins komisch Pathetische. Jacobsson macht daraus den Phlegmatiker, der durch die Tücke des Objekts aus seinem Phlegma herausgeschleudert wird und schließlich doch immer die Fahne der kaltblütigen Überlegenheit hochhält, die Fahne, deren Symbol ihm in Gestalt einer Zigarre beständig zwischen den Zähnen steckt. Er ist ein Vetter der Gestalten, wie sie zum Beispiel Geo Mc Manus im „Chicago Herald“ allwöchentlich aufmarschieren läßt, wie sie in den „Shenanigan Kids“ ihr Wesen treiben. Nur daß bei Jacobsson die Linie reinere Triumphe feiert.

Und dann: Die Bewegung ist in seinen Zeichnungen derart gesteigert, daß ihr Anblick die motorischen Nervenzentren in Schwung versetzt. Probieren Sie einmal, ob Ihnen nicht wird, als flögen Sie horizontal durch die Luft, wenn Sie sehen, wie Adamson in dem Album „Sport und Jagd“ von der wuchtig geschleuderten Kugel mit fortgerissen wird.

Nun denken Sie sich bitte irgendeine komische Situation aus, in die ein Mensch als solcher überhaupt geraten kann: So wette ich mit Ihnen einen Belga gegen einen Korb voll Pirmasenser Notgeldscheine, daß Herr Adamson sich schon in dieser Situation befunden und O. Jacobsson sie in einem der drei bis jetzt erschienenen Albums verewigt hat. Sie werden denken: Ganz sicher ist diesem Adamson aber noch nicht passiert, was ich gestern morgen erlebte, als ich meine alten Stärkekragen in ein Paket zusammenbinden wollte. Sie gebärdeten sich wie Schlangen und ich mußte sie schließlich in einen großen Korb zusammenwerfen, weil sie sich zu einem Paket absolut nicht zusammenwickeln ließen.

Aber wieso denn? Natürlich war dies Mißgeschick mit den bockigen Kragen eines der ersten, durch die Herr Adamson berühmt wurde.

Daraus ersehen sie, wie tief O. Jacobsson ins volle Menschenleben hineingreift. So tief, daß Sie bei jedem Bild sich totlachen und ausrufen; So ist es ganz genau!

Wollen Sie sich also eine halbe oder eine ganze Stunde lang immer wieder totlachen, so verschaffen Sie sich die drei Adamson-Albums. Oder auch nur eines davon. Die zwei andern lassen Sie sich dann zum nächsten Geburtstag schenken.

Für Zahnärzte sind sie besonders zu empfehlen. Patienten, die sie im Wartezimmer ansehen, verlieren jede Angst. Nur ist zu befürchten, daß sie sie nachher heimlich ausführen.

Sie können sie aber auch, wie aus den Anzeigen hervorgeht in der Buchhandlung Hausemer kaufen.

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    Katalognummer BW-AK-015-3356