In dem Augenblick, wo Eure Augen über diese Zeilen fliegen, trägt Euch der Zug nach Kaulenbach oder Gibelsmühl, Bissen oder Redingen oder Grundhof oder Münsbach, irgendeinem Bach oder Bächlein entgegen, wo vielleicht nur drei Kauzenköppe unter vier Steinen sitzen oder wo Forellen die Menge Euer harren.
Ich kenne Euch. Ich kenne Dich, den zum ersten Mal das Fieber gepackt hat. Du hast streng nach dem Buchstaben schon vor acht Tagen Deine Wermchen ausgegraben und in Kasseesatz gelegt und weißt heute nicht mehr, ob Du auch die richtigen erwischt hast oder nicht, weil jeder, der sie sieht, behauptet, es seien die falschen. Hast Du dicke, so sagen die alten Fischer, die dünnen wären besser, und hast Du dünne, so sagen dieselben alten Fischer, die besten wären die dicken, alldieweil die Forellen wären, wie die Fischer und zögen die dicken Bissen immer den dünnen vor.
Und Dich kenne ich auch, den mit den Ellritzen im Behälter, den die andern als Räuber von der Seite ansehen, weil er im Ruf steht, immer die dicksten und meisten zu fangen.
Und Dich, der Du nicht höher schwörst, als auf die künstliche Fliege - ob Du nun einen ganzen Musterkasten in Miniatur bei Dir führst mit 36 Gefächern für sämtliche geläufigen Muster, von der March Brown und Cow Dung bis zur Coch y Bondu und der extravagantesten Fancy fly, oder ob Du Dich auf drei Typen festgelegt hast, denen Du jahraus jahrein Deine Erfolge verdankst - ich kenne Dich. Du bist überzeugt, daß Du zum hohen Adel der Sportfischer gehörst, und daß Du die andern als Topffischer bemitleidest und über ihre Erfolge die Achsel zuckst.
Und auch Dich kenne ich, verkappter Bregunjer, der Du die Angel nur führst als Deckmantel für Deine Niedertracht, der Du heimlich Deine Sportkameraden auslachst, weil sie mit ehrlichen Mitteln ihrer Leidenschaft frönen und das Fischen mit Andacht als eine Kunst betreiben und manchmal froh sind, wenn sie sieben Schneider im Sack haben, während Du abends Körbe voll Forellen heimträgst, die mit Netz und Nachtschnüren und Gott weiß welchen verdammten Praktiken gefangen sind. Hoffentlich werden sie Dir bald das Handwerk legen.
Du aber, sportgerechter Bruder in Petro, höre nicht zu, wie sie um Dich herum mit Fachsimpelei die Sehnsucht und Erwartung schüren, die in Dir brennen wie Holzfeuer im brummenden Kohlenofen.
Glaube nur die Hälfte, oder ein Drittel, oder ein Viertel. Du wirst jeden Augenblick eine der bekannten onomatopoietischen Vokabeln hören, wie: Flumm batschdeg, pingpang, ratsch, schrumm, tjitz, rang, ba u. s. w. Jede davon bedeutet einen motorischen Höhepunkt, einen sensationellen Wurf mit entsprechendem Fang. In der Regel eine Forelle oder Äsche von drei Pfund. Man weiß nicht recht warum, aber alle Forellen, deren Fang mit dieser dramatischen Klangfärbung vor sich geht, wiegen drei Pfund. Nicht zwei das wäre zu wenig, - nicht vier, das wäre zu massig. Aber drei. Das ist schon eine hereische Zahl, und ungrad. Denn trotz allem erhält sich auch nach dem Kri beim Fischer die Vorliebe für ungrade Zahlen.
Lieber Bruder in Petro!Mißtraue besonders Worten und Ausdrücken, wie diesen: „Stöpsvoll“ - ein Bach mit je einer Forelle auf hundert Meter kann in unserer ausgefischten Zeit schon als „stöpsvoll“ aufgefaßt werden; „rin und raus, rin und raus!“ - „in anderthalb Stunden 17 Pfund“ - „in 3 Tagen über ein Zentner“ - „dreißig Meter weit wie nichts, auf einen Hut, oder ein Pappelblatt“ u. s. w u. s. w. Wette ruhig eine Flasche Heiligenhäuschen auf jeden Meter unter 30.
Höre nicht zu, Du regst Dich unnütz auf und drücke Dein Gottvertrauen unter Null. Spinn Dich in Deine Träume ein. Male Dir aus, wie die Dreipsündig Dir plötzlich an die Angel geht, wie Du sie herunter drillst, wie die aufregendsten Sachen passieren, ehe Du sie, bis an den hohlen Leib ins Wasser gesprungen mit beiden Händen auf die Wiese wirfst. (Kannst Du das kalte Wasser nicht vertragen, so brauchst D@ nicht hineinzuspringen.)
Das ist es, lieber Bruder in Petro! Daß Du alle Aufregungen dieses Sports bis in die abwechslungsreichsten Einzelheiten genießen kannst, ohne Dich vom Fleck zu rühren. Das ist der Zauber der Fischerei, der Du Stunden, Tage, Wochen, Monate lang von der Hoffnung leben kannst. Einer farbigen, greifbaren, vielfältigen, immer neuen, immer auswechselbaren Hoffnung.
Und somit, Ihr Spießgesellen von Angel und Rädchen, Petri Heil!