Der Vortrag des belgischen Finanz- und Wirtschaftsgenerals Theunis, nach den Vorträgen von Peyerimhoff und Schacht betont den internationalen Zug, der seit Jahr und Tag durch unser Provinzidyll zu gehen scheint.
Erheben wir den Anspruch, mehr zu sein, als eine Provinz, die einem unserer Nachbarn aus der Hotte gefallen und als Noman’s Land zwischen Frankreich, Belgien, Preußen liegen geblieben wäre, so müssen wir noch viel mehr tun, bis wir das werden, wazuerst im Sport „internationale Klasse“ hieß.
Wir sind es schon zum Teil, aber unbestritten doch wohl nur auf dem Gebiet der Materialitäten. Unser Bauerntum ist international, wie das Bauerntum der ganzen Welt, weil seine Produkte international marktgängig sind, weil das Dorf in sich ein überall gleiches Maximum ist.
Daß unsere Großindustrie internationale Klasse ist, braucht nicht gesagt zu werden, und unser kaufmännischer Betrieb hat durchweg auch den Anschluß gefunden.
Nur unsere Intellektualität treibt mit Kunst und Schrifttum in einer Kribben-Ecke rund herum, wie das Flußwasser, auf dem große Schaumflecken schwimmen, während dicht daneben die lebendige Strömung in den großen, ewigen Kreislauf eingeschaltet ist.
Die Kunst ist noch einigermaßen besser dran, als das Schrifttum, sie hängt nicht so unbedingt mit dem national gebundenen seelischen Stoff zusammen, wie dieses.
Sie werden sagen, da gebe es nur zwei Wege, es müsse einer entweder fronzösisch oder deutsch so gut schreiben, daß er in Frankreich oder Deutschland durchdränge.
Nicht ganz so. Es muß möglich werden, daß einer auch luxemburgisch nur für Luxemburger schreibt und dennoch internationale Klasse ist.
Es kommt ja nicht auf den Widerhall nach außen an. Wir werden nie in der glücklichen Lage sein, wie die Briten, die ihre Bücher für ein mögliches Publikum von zirka einer halben Milliarde Menschen schreiben. Von den 250 000 Luxemburgern sind in der Regel 100, die Bücher kaufen, wenn es keine Schulbücher sind. Also je ein fünfundzwanzighundertstel Luxemburger lauft ein Buch. Diese schlechte Aussicht auf ein Geschäft hat aber noch nie einen, der das heilige Feuer in sich spürte, abgehalten, das Buch zu schreiben, das er unterm Herzen trug. Hatte er das Zeug dazu, so war das Buch internationale Klasse, trotzdem es aus spezifisch luxemburger Stoff geknetet war und von einem Ausländer vielleicht nicht verstanden worden wäre.
Internationale Klasse sein heißt also nicht, aus seiner luxemburger Haut heraus- und in eine fremde Haut hineinschlüpfen. Im Gegenteil, es ist wesentlich, daß wir darin bleiben und mit ihr durchdringen.
Es wurde hier schon gesagt, daß Luxemburg als Volksganzes keinerlei Verdienst daran hat, daß einer seiner Söhne in jungen Jahren vom Leben da draußen in die Fäuste genommen und zu einem bedeutenden Menschen gemacht wird, der das draußen Gelernte wirtschaftlich oder künstlerisch ausmünzt. Was Beste an ihm ist, schuldet er dem Ausland. Eher könnten wir uns noch etwas auf Miß Luxembourg einbilden, die Luxemburgerin Rosa Blanc - wenn sie Luxemburgerin ist -, die uns auf der Schönheitskonkurrenz in Amerika vertreten soll. Denn da könnte man schon von der Bonität der Rasse reden.
Wenn wir internationale Klasse werden sollen, so kann das national für uns nur Wert haben, wenn wir es als Luxemburger werden. Also in dem Sinn, daß auch ein Werk in heimischer Mundart, ganz auf heimische Verhältnisse gestellt, an intrinsischem Wert den Werken gleichsteht, die vom internationalen geistigen Markt zum mindesten willig aufgenommen werden.
In einem Wort, unsere internationale Klasse soll nicht horizontal, sondern vertikal sein.