Auf dem Umwege über das Ausland kommt es hier in die Oeffentlichkeit, daß Verhandlungen im Gange seien, die die Anlage eines gemeinsamen Flughafens für die Städte Luxemburg und Trier zum Zweck haben.
Man darf wohl annehmen, daß es sich um ein Unternehmen handelt, das den Luftverkehr, soweit er in unsern drei Nachbarländern schon besteht oder sich herausbilden kann, einbeziehen wird.
Es ist mißlich, bei derartigen Anlässen zu früh und zu ausgiebig die Karten aufzudecken, der Erfolg der Verhandlungen hängt von soviel Imponderabilien ab, daß hier wie kaum irgendwo Vorsicht die Mutter des Porzellankastens ist.
Also lassen wir Pläne, die etwa bestehen, in der Stille sprießen, bis sie den offenen Acker vertragen.
Aber eins ist sicher: Wenn man, wie wir, im Kehrreim der Nationalhymne stolz die Tatsache feststellt, daß man nun auch den Weg „zum ewig großen Völkerbund“ gefunden hat, so darf man nicht teilnahmslos abseits stehen, wenn die andern Völker sich neue, umwälzende Verkehrsmittel schaffen und schon geschaffen haben.
Unsere Wirtschaft ist grade, wie die der ganzen übrigen Welt, zu einem großen Teil auf die Möglichkeit raschesten Verkehrs eingestellt. Ihre Pioniere müssen in der Lage sein, daß sie sich gegebenen Falls nicht von andern, die ihnen durch die Luft zuvorkämen, das Gras unter den Füßen wegmähen lassen. Das Maximale im Verkehr, das durch die Luftschifffahrt verwirklicht wird, muß ihnen im Notfall zu Gebote stehen, wie den Generalstäben der andern Wirtschaftsgruppen.
Also ist es Pflicht der Selbsterhaltung, daß wir uns möglichst bald nach Anschluß umsehen.
Ueber Luftverkehr herrschen hier noch vielfach unklare und verworrene Begriffe. Aus unmittelbarer Anschauung heraus kennen nur wenige Bevorzugte den Betrieb des heute schon regelmäßig durchgeführten Luftverkehrs. Die meisten Luxemburger wissen darüber wahrscheinlich noch weniger, als ihre Väter und Großväter vor 70, 80 Jahren über den englischen Eisenbahnverkehr wußten. Es dauerte damals mehrere Jahrzehnte, bis Herr Jean Baptiste Scharff von der Freitreppe des Stadthauses herunter zur Einweihung unserer ersten Bahn den stolzen Refrain des „Feierwon“ über die tausendköpfige Menge schmetterte, unter denen sehr wahrscheinlich viele waren, die über den „Feuerwagen“ den Kopf schüttelten und sich im stillen vornahmen, ihm nie ihre Knochen anzuvertrauen.
Vielleicht stehen ihre Söhne und Enkel heute dem Flugzeug mit derselben Skepsis gegenüber, weil die Luft ja noch viel weniger Balken hat, als das Wasser. Aber den Skeptikern und Kleinmütigen ist die Wirklichkeit über den Kopf gewachsen, wie sie denen über den Kopf wachsen wird, die ihn über das Flugzeug schütteln.
Man darf wohl annehmen, daß die, in deren Händen das Steuer unsers Glückswagens liegt, diese. Forderung der Zeit nicht interesse- und tatenlos gegenüberstehen, daß sie vielmehr jede Gelegenheit wahrnehmen und schon wahrgenommen haben, von der sich eine Verwirklichung geeigneter Anschlußpläne erwarten läßt.
Aber ihr Vorgehen muß bei den Massen Verständnis finden, um auch Widerhall und Unterstützung zu finden.
Wir hören, daß der Verkehrsdirektor der Stadt Trier, Herr Delacroix, bereit wäre, in nächster Zeit in Luxemburg einen Vortrag über die Entwicklung der Luftfahrt und die deutsche Luftverkehrspolitik zu halten.
Man darf sicher damit rechnen, daß das luxemburger Publikum einer so eminent zeitgemäßen Darbietung das stärkste Interesse entgegenbringen würde.