Aller guten Dinge sind drei. Also gehe auch noch zum dritten Mal die Rede von dem Grevenmacherer Weinmarkt.
Das Beste darüber wird ja allerdings ungesagt bleiben. Die hatten Unrecht, die um neun Uhr heimfuhren.
Nach dieser Feststellung kommen wir, wenn es Ihnen recht ist, auf Einzelnes zurück. Zum Beispiel darauf, daß Herr Hentgen das halbe Fuder Remicher Versuchspinot zum Preise von 7750 Franken für die Winzerkammer angesteigert hat.
Dieser Gestus eines öffentlichen Machtfaktors - denn jede Kammer ist eine Macht - wird im ganzen Land sympathischen Widerhall finden.
Man hat im ganzen Lande schon seit Jahren die seltsame Erscheinung vermerkt, daß die Winzer, die gern ihren Wein verkaufen möchten, ihn selber nicht trinken, wenigstens nicht in dem Maße, wie sie es tun müßten, um die Leute von seiner Güte zu überzeugen. In manchem Mosel- und Sauerdorf siehst Du Sonntags nachmittags auf den Tischen der Wirtsstuben kaum ein Glas Wein auf zehn Humpen Bier.
Das soll jetzt anders werden.
Die Winzerkammer hat sich ein halbes Fuder Wein gesteigert und wird es selber leer trinken. Wenn die Winzerkammer in Zukunft tagen wird, wird sie es im Zeichen dieses neuen Weines tun, von dem sie sich Heil verspricht, Ihre Mitglieder werden vor, während und nach ihren Sitzungen je ein Glas dieses trefflichen Remicher Pinot schlürfen und in ihren Reden und Beschlüssen wird sich das Mostgewicht ihres Haustrunkes vorteilhaft spiegeln. Im ganzen Lande wird man sich sagen: Wenn ihn die Winzer selber trinken und nicht nur trinken, sondern auch so fürstlich bezahlen, muß ihr Wein wirklich gut sein.
Unter uns gesagt, er ist gut. Wir werden nicht darüber streiten, ob der Remicher, Nr. 3, oder der Grevenmacherer. Nr. 4, besser, süffiger, gehaltvoller, bouquetreicher usw. sei. Sagen wir, wie jener Weise von Goethe und Schiller gesagt hat: Streitet Euch nicht, wer größer sei, sondern freut Euch, daß Ihr überhaupt zwei solche Kerle habt.
Der biedere alte Wingerter, der den Dritter zu kosten gab, ahnt nicht, was mich immer wieder zu ihm hinzog. Da stand er über seinen eisgekühlten Flaschen just wie der heilige Sanktnikolaus über den Kindlein steht, die ihm zu Füßen aus der Bütte emporgucken. Und er betreute sie nicht minder zärtlich, man merkte, wenn er die Backe voll ins Probiergläschen laufen ließ, daß ihm war, als wär’s ein Stück von ihm. Und er hatte seine beste Sonntagsmontur an und es war um ihn fast so feierlich, wie in der Kirche beim Opfergang. Es berührt einen immer ein wenig andächtig, wenn man in der Person eines Menschen diese beiden vereint erblickt: Das Bild der harten, härtesten Arbeit in klirrendem Frost und sengender Hitze, die schwieligen, großen Hände, die nur Schweres anzufassen gewohnt sind, die grauen Augen, die das Jahr entlang mehr Sonnenaufgänge spiegeln, als die Augen vieler Städter ein ganzes Leben lang - und dann die bescheidene Erfüllung, die Genugtuung, daß die Arbeit nicht ganz umsonst war, die Feiertagsstimmung, das Gefühl der endlichen Belohnung. Überall fällt Dir der Gegensatz auf, diese frongewöhnten Gestalten mit den schweren Bewegungen und den wettergebräunten Gesichtern, in sonntäglicher Umgebung und Stimmung. Hart ist das Mühen - aber ach! nicht immer herrlich der Lohn.
Und es wurde immer zwölfer und sie sprachen von der Konkurrenz des Bieres und des Rheinweins, und von der Theresienwiese bei München kam die Bavaria und vom Niederwald kam die Germania und sie gingen zu Herrn Karp-Kneip und baten ihn, er möchte ihnen je eine Dampfwalze als Punktroller überlassen. Und im Hintergrund schwang sich das Lied auf wie ein stelzer Adler und die Olle mit der Molle mit der Muskelkraft ging durch die finstre Nacht bis tief in den Morgen hinein den Krebsgang.