Ich glaubte, ich könnte nicht länger der Versuchung widerstehen, etwas über den Frühling zu schreiben.
Da ging ich bis zu dem großen Kastanienbaum an der Park-Ecke. Seine jungen Blätter sind schon beinahe fingerlang, aber noch so zart, daß sie nicht stehen können und wie weichseidenes Gewebe von den Zweigen hängen. Und vor seinem frischen Grün, bei dessen Anblick man wünscht, ein Maikäfer zu sein, steht ein Zierstrauch mit violettbraunem Laub und Blüten, die sind, wie das Weiß in träumerischen großen Veilchenaugen.
Da stand ich und machte mir Gedanken über das Snobistische dieser Farbenharmonie, als ein Mann auf mich zukam und neben mir stehen blieb, seine Blicke in dieselbe Richtung schickend.
Er stellte folgende Betrachtung an:
„Ja ja, es ist eine schöne Zeit, die wir jetzt bekommen, zumal mit den vielen Blüten, die man etlichmal so in den Gärten sieht, das hat man wirklich sonst nicht im Jahr, das ist nur im Frühjahr, das muß man sagen. Es ist eine Pracht, auch wo jetzt das neue Gemüse kommt. Die Frauen wußten schon bald nicht mehr, was sie kochen sollten, aber jetzt wird es wieder Freude auf dem Markt. Aber die Marktweiber wissen nicht, was sie fordern sollen, keine Zehe Knoblauch geben sie in den Kauf, ein Bund Suppenkraut kostet so viel, wie früher ein Sester Kartoffeln, aber man gibt es gerne, wo jetzt wieder Frühjahr ist, nicht wahr.“
„Und wo man die Sassaparille-Kur gebraucht,“ sagte ich zustimmend.
„Ich gebrauche lieber Nicinus-Öl,“ meinte er kritisch. „Es ist doch immer noch das zuverlässigste. „Und was Sie davon übrig haben, können Sie zum Einfetten der Jagdschuhe benutzen.“
Ich meinte darauf, Mondorfer Wasser sei auch sehr zu empfehlen, und er sagte, jawohl, das habe er schon öfters gehört, aber er halte sich an sein Nicinus-Öl, aus alter Gewohnheit. und man habe ja auch nicht immer Zeit, mit Mondorfer Wasser der Sache aufzuwarten, man habe so feinen Beruf, nicht wahr.
Dann kam er auf die letzte Generalversammlung des Sterbekassenvereins zu reden, dessen Präsident er ist, und ich sagte, er müsse entschuldigen ....
„Aha, ich verstehe,“ lachte er. „Also adieu, und beeilen Sie sich!“
Und da soll einer lyrisch werden und über den Frühling schreiben!