Es besteht eine internationale Kalenderfestlegungsliga.
Bis dato schlug die Bewegung, die in den Kalender von heute mehr Stetigkeit bringen will, mit ihren Wellen noch nicht an unser entlegenes Gestade. Aber sie scheint jetzt auch bis zu uns vordringen zu wollen.
Vor kurzem war hier ausgeführt, daß das Osterfest im Jahr herumkollert, wie ein Stück losgekommenes Transportgut in einem Schiffsraum.
Das dauert nun schon an die sechzehnhundert Jahre. Mehr als anderthalb Jahrtausende läßt sich die Christenheit dies Gehopse gefallen, ohne dagegen wirksam aufzumucken.
Jetzt wollen die Aufmucker von London aus einen entscheidenden Schlag führen. Sie verkünden, dies Jahr haben wir das letzte bewegliche Ostern erlebt, und zwar aus folgenden Gründen:
Es sei zu erwarten, sagen sie, daß der Heilige Stuhl für nächstes Jahr ein Ökumenisches Konzil einberufen wird, das die Osterbestimmung des Konzils von Nikäa über den Haufen werfen soll.
Nächstes Jahr ist ein Schaltjahr. Zum Glück fällt Ostern 1928 auf den 8. April, also genau in die Mitte zwischen den 22. März und den 25. April, das früheste bezw. das späteste Osterdatum, das nach dem Konzil von Nikäa möglich ist.
Zugleich fällt der 8. April zwischen den 7. und 9., also die beiden Tage, die am nächsten an den Jahrestagen der Ereignisse liegen, an die Charfreitag und Ostersonntag erinnern sollen.
Nun agitiert die „International Fixed Calendar Ligue“ im Anschluß an eine Anregung, die im Völkerbund auftauchte, dafür, daß Ostern ein für allemal auf den 8. April festgelegt werde. Das Ökumenische Konzil von 1928 braucht nur das Dekret seines Vorgängers von Nikäa abzurufen und dafür als unabänderliches Osterdatum den 8. April zu stabilieren. Das hätte zur Folge, daß alle von Ostern abhängigen beweglichen Feste in alle Ewigkeit auf dasselbe Datum fielen, wie im Jahr 1928.
Die I. F. C. L. verspricht sich von dieser Änderung mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist. Zunächst, meint sie, würde dadurch ein Stachel verschwinden, den das Dekret von 326 n. Chr. bei den Juden, Mohammedanern und andern „ebenso aufrichtigen Verehrern desselben ewigen Schöpfers, den wir Gott nennen,“ hinterlassen hat. Das Dekret von Nikäa enthält nämlich eine Bestimmung, die verhindern soll, daß das christliche Osterfest „mit dem der Juden und andrer Ketzer zusammenfällt“. Schon aus diesem Grunde wurde im Völkerbund im Interesse der besseren Verständigung von Mensch zu Mensch die Neuerung angeregt und von der I. F. C. L. die Anregung aufgenommen.
Die Liga geht aber noch einen Schritt weiter und will in unsrer heutigen Zeitrechnung etwas vornehmen, was man mit einer Bachregulierung vergleichen könnte.
Sie schlägt vor, das Jahr in lauter Monate von je 28 Tagen, also in lauter Februare einzuteilen. Der erste, achte, fünfzehnte und zweiundzwanzigste Tag eines jeden Monats wäre ein Sonntag, der zweite, neunte, sechzehnte und dreiundzwanzigste ein Montag u. s. w. Aus dem Abfall von 29 Tagen würde ein neuer Monat hergestellt, der hinter dem Juni eingeschaltet würde, und der dann noch übrigbleibende Tag bekäme eine Sonderstellung im Jahr. Für ihn und für den neuen Monat zwischen Juni und Juli wäre ein Name zu finden, welche Ausgabe wohl am zweckmäßigsten der Luxemburger Straßenbenennungskommission übertragen würde.
Sie können sich gar nicht ausdenken, welche Vorteile diese Regulierung im Gefolge hätte.
Oder doch, sie liegen derart klar zutage, daß man sich wundern muß, wie die Welt noch immer an der komplizierten Zeitrechnung von heute mit dreierlet, sogar viererlei Monatslängen, Unstimmigkeiten von allerlei Art festhalten konnte. Wir erleben dasselbe mit der Stundenzählung. Es wird noch Geschlechter hindurch dauern, bis man sich gewöhnen wird, 21 Uhr statt 9 Uhr abends zu sagen. Es ist zu einfach.
Vielleicht wehren wir uns instinktiv gegen das Einfache, weil die Schönheit ja die Einheit in der Mannigfaltigkeit ist.