Die drei Eisheiligen haben schwere Pelzmäntek an, mit hochgestellten Kragen.
Sie gehen eingehakt über die Fluren und singen: „Woa’sche schon zu Kaanech? - Iwerall we’ do nach net.“ Der heilige Pankratius fingt es und der heilige Servatius und der heilige Bonifazius respondieren. Nach der Weise der Litanei aller Heiligen.
Die Apfelblüten erbeben an den Zweigen bis ins Herz, da sie die Heiligen daherschreiten sehen, und glauben, ihr letztes Stündchen sei gekommen.
Die Kirschen sagen dreist: „Uns können sie nichts mehr anhaben, um unsern annoch flüssigen Kern ist schon soviel grünes Fleisch, daß uns der Frost nicht mehr bis ins Herz dringt.“
Die Zwetschgen und Pflaumen sind nicht ganz so zuversichtlich, und die Birnen auch nicht.
„Woa’sche schon zu Wormeljen?“ singt der heilige Pankratius. „Iwerall we’ doch nach net,“ singen seine zwei Eiskollegen Bescheid.
Wenn es Frühling geworden ist, treibt es die Christenheit hinter dem Ofen hervor ins Freie, mit Kreuz und Fahne. „Ut fructus terrae dare et conservare digneris - te rogamus, audi nos.“ Daß du die Früchte der Erde zu geben und zu erhalten geruhest bitten wir dich.
Damit wir wieder ein Jahr lang zu essen und zu trinken haben. Denn Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.
Die Seele tut zwar so, als ob ihr das Essen als tierische Funktion zuwider sei, aber wenn der Leib einmal auf das Essen und Trinken verzichtet, will sie nichts mehr mit ihm zu tun haben und zieht aus. So sind diese Intellektuellen.
Wir freuten uns als Buben immer auf die Frühjahrsprozessionen, die über den Bann führten, wo sonst keinerlei Feierlichkeit sich hin verirrte, wo man bei der Kuhhut Bubenstreiche spielte, wo man beim Baden verboteuerweise die Barben im stromgestrählten grünen Nirenhaar mit den Händen fing, wo man je nach der Jahreszeit Kirschen, Äpfel, Virnen, Zwetschgen und Trauben laufte. wo man später mit einem der sukzessiven einzigen Schätze die blutig ernst gemeinten Liebesschwüre fürs Leben, zum mindesten eber für die Dauer der Ferien tauschte, kurzum, wo der große Pan in allen möglichen Bekleidungsstadien umzugehen pflegte - da blinkte nun eines Morgens das Kreuz hoch in der jungen Sonne, die Fahne flatterte und dahinter zog alt und jung barhaupt zwischen den Äckern her und betete und lang zum lieben Gott und all seinen Heiligen, daß sie den Saaten und Bäumen und Weinstöcken kein Leids tun möchten.
Und wenn es um die kalte Dreifaltigkeit ging, die am 12., 13. und 14. Mai ihre Tyrannei ausübt, dann kam ein himmelstürmendes Ungestüm in unsern Sang. „Sancte Panerazil“ sang der alte Küster mit vibrierender Stimme, und wir brüllten ein „Ora pro nobis!“, davon die Himmelstore bersten mußten, wie die Mauern Jerichos.
Waren dann am andern Morgen trotzdem die zarten Gescheine in den Weinbergen schwarz erfroren, dann schüttelte der gute Stoffelesch Klees das Haupt und sagte: „Dieser Pankratius da scheint droben auch nicht alles zu sagen zu haben.“ Und steckte sich eine Pfeife an, schulterte die Hacke und ging an die Arbeit im steilen Hang, wo zum Hohn die Sonne stach, als könne das Thermometer niemals unter 20 Grad im Schatten sinken, und hackte und hackte bis zur Zeit des Abendläutens, trotzdem er sicher wußte, daß ihm der Berg dies Jahr nichts, nichts und wieder nichts tragen würde.