Diese Zeilen haben den Zweck, einem jungen Mann einen heillosen Schreck einzujagen, zugleich aber ihm eine ungeahnte Freude zu bereiten.
Es handelt sich um einen jungen Dichter, der vielleicht noch einmal von sich reden machen wird. Vielleicht wird er einmal ein Bändchen Gedichte drucken lassen, die ganze Auflage mit Widmungen an Bekannte und Unbekannte verschicken und diesen später die Faktura dafür überreichen.
Vorläufig dichtet er nur und macht noch kein Geschäft daraus.
Es steht außer Zweifel, daß er sich gerne gedruch sähe, aber er scheut die Ausgabe, er kauft sich für sein Taschengeld noch lieber Schoklasknippercher oder Zigaretten.
Nun, wir wollen ihm die Überraschung bereiten, daß er sich gedruckt sieht, ohne etwas dazu getan zu haben.
Das folgende Gedicht wurde nämlich am vergangenen Donnerstag, also am Tage, wo die Escher nach Luxemburg gepilgert kamen, bei der „Gölle Fra“ unter einer Bank gefunden. Wahrscheinlich hatte es der Verfasser einem Bekannten vorgelesen und es nachher in der Aufregung an der Tasche vorbeigesteckt.
Lieber Misch, Du hast ja nichts dagegen, daß wir Dein Gedicht abdrucken. Es ist ja anonym, wir zeigen es niemand, damit Dich Deine Schrift nicht verrät, und wenn Du es wiederhaben willst, es steht immer zu Deiner Verfügung. Ja sogar Honorar bezahlen wir Dir, wenn Du es verlangst. Über den Tarif würden wir uns leicht einigen. Nur häng uns keinen Prozeß an wegen unbefugten Nachdrucks.
Das Gedicht trägt den Titel: „Bild aus dem Abendstudium der Industrieschule in der Stadt Esch.“
Das Versmaß weist einen originellen Rhythmus auf. Die Reime sind klangvoll. Die Rechtschreibung läßt nichts zu wünschen übrig. Das Gedicht zeugt von scharfer Beobachtungsgabe und großer Menschenkenntnis. Urteilen Sie selbst:
I.Der Professor rennt durch den Raum,Bändigen kann er die Flegel kaum.Die sind so frech, sie sprechen laut,Obschon er manche einem haut.II.Es meckert, schreit, brüllt, summt.In der Ecke aber es mächtig brummt.Der Professor meint, er sei bei Ochsen und Schasen,Knausert trotzdem nicht mit den Strafen.III.Hier gibt er eine, dort gibt er drei,Aber alles geschieht mit großem Geschrei. -Einige Minuten ist’s wieder still,Weil der Professor es just so haben will.IV.Einige Augenblicke ein friedsames Bild.Aber nicht lang, schon blickt er wildNach der Ecke, wo es tönt,dazwischen aber auch wieder stöhnt.V.Der Aufseher springt mit einem Seuszer auf,Richtet nach der Ecke seinen Lauf.Es tönt herauf ein lauter Schrei.Jetzt gab er wieder der Strafen drei.VI.Rückwärts zieht er sich zurück,Damit nicht hinter seinem RückDie Ecke sich wieder machet frech.Aber er hat heute wirklich Pech.VII.Hinter ihm man vorn sich regt,Und während er wild sich dorthin bewegt,Beginnt man hinten wieder zu brummenUnd in der Mitte fängt’s auch an zu summen.VIII.Und schließlich ist im ganzen Saal ein Geschrei,Denn er kann nicht steuern der Flegelei.Wie ein Kind ist er hilfelosGegen die vielen Bengel, die so bos.