Ich glaube, den nachstehenden Brief meinen Lesern und zumal Leserinnen nicht vorenthalten zu dürfen:
„Darf ich mir erlauben, Ihnen einen Rat zu geben. Sie haben sich im Abreißkalender einige Male mit Katzen beschäftigt, und zwar mit Verständnis, sodaß ich eine Art Seelenverwandtschaft mit Ihnen verspüre, denn ich bin eine leidenschaftliche Katzenfreundin. Auch ich hatte Katers, denen ich nachweinte, wenn sie bei Liebesabenteuern dem Verderben anheimfielen und denen zuliebe ich in Zeitungen Anzeigen erließ, übrigens ohne Erfolg. Ich hatte Kätzinnen, liebreizende Wesen, besonders in ihrer Jugend «tant qu’elles seraient encore dignes d’orner un collège de vestales», wie Colette sagt. An Intelligenz und Anhänglichkeit sind sie dem stärkeren Geschlecht überlegen. Das Letztere soll auch bei Menschen manchmal vorkommen. Aber auch hier hatte die Medaille ihre Kehrseite. Die Katzendamen scheinen sich einen gewissen Bonifacius-Hirtenbrief sehr zu Herzen genommen zu haben. Sie sind auch nicht beim seligen Malthus in die Lehre gegangen, denn jeden Sommer beschenkten sie mich zu wiederholten Malen mit Drillingen und Vierlingen. Da ich diesen überreichen Kindersegen nicht erziehen und unterbringen konnte, mußte ich nach jedem freudigen Ereignis ein Kindermorden veranstalten, das meinem tierfreundlichen Herzen zuwider war. Also wenn Sie wieder einmal in Katzennöten sind, machen Sie einen Versuch mit dem Neutrum. Ich hatte solch ein Neutrum, das acht Jahre lang mein Leben erheiterte, alle liebenswürdigen Eigenschaften seiner Rasse behielt und ein ausgezeichneter Mäusefänger war. Diese Wesen sind «très rangés», wie der Franzose sagt. Sie bleiben zuhause und nähren sich redlich und entgehen somit den Gefahren, denen ihre Katerbrüder im Liebestaumel ausgesetzt sind.
Ich bitte Sie, mich Ihrer Trudel unbekannterweise zu empfehlen.
Eine eifrige Leserin des Abreißkalenders.“