Nennen wir ihn Pömm, obgleich er einen viel schöneren Namen trägt.
Pömm ist ein kleiner Junge, der seinen Eltern noch viel Freude macht, weil er noch nicht groß genug ist, um einen Hausschlüssel zu beanspruchen und dem Dienstmädchen die Cour zu machen.
Pömm gehört zu den Sonderwesen, die man gerne im Auge behält, um zu sehen, wie sie sich entwickeln und was aus ihnen wird. Denn sie geben schon mit drei, vier Jahren Beweise einer großen Selbständigkeit und einer starken Individualität. Aus ihnen rekrutieren sich sowohl die Napoleon wie die Schinderhannes.
Pömm wird natürlich ein Napoleon.
Ich bin auf ihn durch eine Geschichte aufmerksam geworden, die sie mir von ihm erzählten.
Pömm wohnt mit seinen Eltern im selben Haus, wie die Großeltern, die aber ihren eigenen Haushalt führen.
Es kommt vor, daß Pömm aus den Küchengerüchen den Schluß zieht, daß heute das Mittagessen oben bei Großpapas leckerer ausfallen dürfte, als unten. In diesem Fall ergreist Pömm seine Serviette, Löfsel, Messer und Gabel, klettert hinauf in den ersten Stock und setzt sich mit an den Tisch, wo er dem Ruf der Familie alle Ehre macht.
So auch wieder dieser Tage. Was die Mutter im Topf hatte, ließ ihn kalt. Eines der wenigen Gerichte, die er nicht auch gerne aß. Dahingegen drang aus Großmutters Küche ins Treppenhaus ein Duft, der Pömm das Wasser in den Mund trieb. Etwas mit frischer Butter. Alles, was nach frischer Butter duftete, trieb Pömm das Wasser in den Mund. Und wenn Pömm die Zähne wässerten, ließ er nicht mit sich reden. Dann ging er über Leichen. Denn er hatte den starken Instinkt des Gesunden.
Also ergriff er, wie gesagt, Serviette, Löffel, Messer und Gabel und meldete sich beim Opa als Mittagsgast.
Unten saßen sie grade bei der Suppe, als die Türe aufging und Pömm, Enttäuschung und Ärger in den Zügen, hereinkam und stillschweigend seinen Platz einnahm.
Vater und Mutter sahen ihn fragend an.
Da stieß Pömm ein entrüstetes Hm! durch die Nase und sagte:
„Der Opa hat sich alle die Kartoffeln mit der Butter genommen und ich sollte die ‚blinden’ essen!“
Recht hattest du, Pömm, daß du nicht geblieben bist. Und fahre so fort, sorge dafür, daß dir im Leben kein anderer die Butterkartoffeln vor der Nase weg ißt. Dann wirst du so groß und so stark, wie deine Vorfahren. Und du wirst bis in dein hohes Alter die geschmelzten Kartoffeln am liebsten selber essen. Und ich wünsche dir eine Stube voll Enkel, die werden, wie du, und die von deinem Tisch entrüstet aufstehen werden, weil du noch mit fünfundsiebzig Jahren einen so guten Magen haben wirst, daß du dir die Kartoffeln mit der Butter alle selber auf den Teller legst.