Wir machen viel Wesens mit dem Wort.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.
Wort ist Macht.
Ein Mann ein Wort.
Ein gutes Wort findet einen guten Hort.
Und so weiter.
Eigentlich und im Grunde genommen wäre es etwas Herrliches um das Wort, wenn - wenn die nicht wären, die es hören sollen und weitertragen.
Es ist nicht genug, daß du das Weltall in dich aufnimmst, du mußt dich auch in das Weltall ausströmen können.
Dazu ist dir das Wort gegeben. Das gesprochene Wort, von dem das geschriebene nur die stumme Mumie ist, manchmal in Seide u. köstliche Spezereien, manchmal in gemeines Strohgeflecht eingewickelt.
Du gibst dein Wort hinaus, damit dein Wesen in das Werden des Ganzen, des Kleinen und des Großen um dich herum mit hineingeflochten werde.
Wie würdest du dich entsetzen, könntest du manchmal sehen, wie das Gewebe, das dich bedeuten soll, aussieht.
Denn dein Wort ist durch die Münder vieler andern gegangen und zur Karikatur geworden.
Wenn je Verrat an einem Menschen begangen wird, so beginnt er in den meisten Fällen: „Er hat gesagt.“
Gleichgültigkeit, Dummheit, Bosheit sind die Verräterinnen am Wort.
Die biblische Parabel vom steintgen, unkrautbewucherten oder fruchtbaren Erdreich, auf das ein Wort sällt, bleibt immer wahr.
Die einen hören dich und es ist ihnen gleich, was du sagst. Dein Wort geht über sie hin und tropft an ihnen herunter. Vielleicht erinnern sie sich später einmal, daß du dies und jenes gesagt hast. Es kann aber auch anders, es kann auch ein anderer gewesen sein. Sie wiederholen, was sie von dir gehört zu haben glauben und dein Wort wächst sich im Geist der andern zu einem Zerrbild deines Wesen aus. Das ist ein kleines Übel. Das Bild haftet nicht, jedes folgende, bestimmter umrissene, löscht es aus.
Aber die Dummen! Die nicht verstanden haben, deren Mißverständnis zu deinem Irrtum wird, zu deiner Lüge, zu deiner Kritik, Bosheit, Verleumdung, zu allem, was ihre Dummheit in dein Wort hineingelegt hat. Ach, ist denn das schließlich wirklich so arg? Wenn man doch weiß, daß man mit einem Dummkopf zu tun hat! Aber die andern, die das mißverstandene Wort gierig aufgreifen und weitertragen!
Und die ganz Boshaften, für die dein Wort eigentlich nur der brave Wildling ist, auf den sie ihre Niedertracht pfropfen! Es gibt Menschen, vor denen ich erschrecke, wenn sie bloß anfangen: „Der oder jener hat gesagt.“ Sie sind die schlimmsten Giftmischer der Menschheit, denn sie sind nicht zu fassen. Sie treiben mit dem Köstlichsten, was der Mensch hat, Schindluder. Was er seiner Seele, seinem Geist, seinem Herzen entströmen läßt, damit es sich mit dem tausendfältigen Strömen aus andern Seelen, Herzen und Geistern mische, das vergiften und durchsudeln sie mit Falschheit, Lüge, Boshaftigkeit und freuen sich, wenn es brodelt und zischt und statt der fördersamen Mischung ein Höllenpfuhl von Haß und Feindschaft entsteht.
Darum hüte dein Wort, wie ein Stück deiner selbst, das es ist. Damit keiner mit deinen Worten dich dir selber stehle!