Im diesjährigen Schlußprogramm des Institut Emile Metz steht eine längere Abhandlung von A. Robert über Anwendung des Rationalisierungsprinzips auf das Lehrlingswesen in der Industrie.
Es fällt in das monotone Getöse des Erwerbslebens von Zeit zu Zeit ein Wort, bei dem alle aufhorchen. Es wirkt, wie eine plötzliche Erleuchtung, wie ein Evangelium des Busineß, oder wie eine Modefarbe, die auf einmal jeder tragen will, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.
So ein Wort war seinerzeit das amerikanische Efficiency (spr. Effisch’nße). Efficiency, der Nutzeffekt, das Ausbringen, war Trumpf. Kraftvergeudung war verpönt, wie eine Schande, ein Verbrechen, eine Dummheit. Der Mann, der nicht auf Efficiency schwor, war ein Outsider, ein Knüppel in die Räder, ein Element des Rückstandes, das so bald wie möglich ausgemerzt werden mußte, damit das Evangelium makellos rein über alle Schlote der alten und neuen Welt strahlte.
Efficiency ist durch Rationalisierung abgelöst. Man hat an die Stelle des Zweckes das Mittel gesetzt. In dieser Umtehrung des Verfahrens allein liegt schon ein Stück Rationalisierung. Um den größten Nutzeffekt zu erzielen, muß erst die Arbeit rationalisiert werden. Also geht Rationalisierung vor Efficiency.
Herr A. Robert geht in der Forderung nach methodischem Aufbau der Produktion noch einen Schritt weiter und erläutert die Phasis, die vor der industriellen Arbeit, also in der Vorbereitung des Individuums auf diese Arbeit, im Lehrlingswesen liegt.
Es versteht sich am Rand, daß eine ergiebige Rationalisierung der Arbeit nur möglich ist, wenn die Elemente der Arbeit schon vorher auf Zweckdienlichkeit eingestellt sind.
Wie dies gemacht wird, zeigt Herr A. Robert in seiner Programmarbeit.
Seine Ausführungen wirken überzeugend, weil sie ohne falsche Begeisterung und von großer Sachlichkeit getragen sind.
Begeisterung ist in diesen Dingen nicht immer fördersam, zumal wenn sie ausschließlich das Ziel, den Erfolg, nicht den Weg und die Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten des Mißerfolgs im Auge hat.
Eine Menge ist leicht für eine Idee zu begeistern, und ihre Begeisterung trägt wiederum die Apostel der Bewegung. Das kann zu einseitigen Übertreibungen führen, die dann wiederum die ganze, an und für sich gute Sache diskreditieren. Wir erinnern uns an das Zeitalter der Enzweilerei in unserer Landwirtschaft. Jeder wollte seine kleine Bachregulierung, seine Drainage, Redressierung, Ent- und Bewässerung haben, wie heute jeder seine T. S. F. haben will. Den Bächen, die beschaulich seit Jahrhunderten sich durch ihre Wiesentäler schlängelten, wurden unbarmherzig die Hammelbeine grade gezogen, die Ufer wurden geglättet, es war der reinste Bügelfaltenkoller. Bis sich die Kehrseiten der Medaille herausstellten und eine gesunde Mittellinie gefunden wurde.
Ähnlich ging es auf dem Gebiet, zu dem die Rationalisierung der Arbeit gehört. Die Berufsberatung war auf einmal an der Tagesordnung und fand Propheten, die jedem Ungläubigen am liebsten den Kopf abgerissen hätten. Dann schlug die Wage nach der andern Seite aus, und heute scheint man auch da, nach der Arbeit des Herrn Robert zu schließen, die Ara der Übertreibungen hinter sich zu haben. Die Berufsberatung ist ein Besen, der nicht mehr neu ist, aber gut kehrt, wenn man ihn zu gebrauchen versteht.
Jeder, der nah oder entfernt mit einem Beruf zu tun hat, auf den die Rationalisierung Anwendung finden kann, sollte sich die Arbeit des Herrn Robert verschaffen und innerlich zu eigen machen.