Wollen wir einmal über das reden, was uns am allernächsten ist? Noch näher: die Haut. Oder wissen Sie etwas, was Ihnen näher ist, als Ihre Haut? Ich bin sicher, der Hase, dem Sie gestern die Haut über die Ohren ziehen ließen, ist nicht dieser Ansicht.
Welche Rolle die Haut in unserm Dasein spielt, darüber würden Sie sich erst klar, wenn Sie keine mehr hätten. Was ich Ihnen nicht wünsche, selbstverständlich. Ich rede natürlich hier von Ihrer eigenen Haut, nicht etwa von der Haut anderer Wesen, bei denen sie unter Umständen eine kulinarische Rolle spielt. Es ist Ihnen sicher nicht unbekannt, daß vom Standpunkt des Feinschmeckers ein großer Unterschied besteht zwischen etwa der Haut einer Forelle nach Müllerin-Art, eines Backhändls und einer Cervelatwurst.
Aber, wie gesagt, davon reden wir nicht. Sondern von Ihrer selbsteigenen Haut, die Ihnen also näher ist, als das Hemd, und von der Rolle, die sie Ihnen gegenüber zu spielen hat.
Wie hoch sie bei den Weltweisen in Ehren steht, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß sie als Teil fürs Ganze gesetzt wird, wenn ein Mensch seinem Wesen nach charakterisiert werden soll. Man sagt von ihm nicht, er ist ein braver Kopf, ein guter Magen, ein gemütliches Bein, aber man nennt die Haut mit all diesen Eigenschaftswörtern zusammen, wenn man diese auf die ganze Person anwenden will. Man sagt auch nicht von jemand, daß er diesen oder jenen Teil seines Individuums zu Markte trägt, wohl aber seine Haut, wenn es ums Ganze geht.
Kein Wunder. Denn die Haut ist für unser Individuum, was für ein Volksganzes die Grenze seines Landes ist. Unsere Haut ist unsere Grenze nach der Außenwelt.
Denken Sie sich den Vergleich bis in die kleinsten Verästelungen aus, so werden Sie sehen, wie genau er stimmt. Wie reagiert ein nationaler Organismus gegen Einflüsse, Anwürfe, Drohungen von außen? Genau wie unsere Haut. Die Grenze macht alle Zugänge zu, wie die Haut ihre Poren. Die Gänsehaut, die uns überläuft, läuft unter Umständen um die ganze Grenze eines Landes herum, nur daß, wo uns nur die Haare, den Ländern an den Grenzen Bajonetts und Kanonen zu Berg stehen.
An der Grenze empfängt der Besucher den ersten Eindruck von einem Land: Ob es sauber oder schmuddelig, gesund oder kränklich ist. So müssen wir uns gefallen lassen, daß uns die Rebenmenschen nach dem Aussehen unserer Haut beurteilen.
Fremde, ungebetene Elemente, die beimlich in ein Land eindringen wollen, schleichen die Grenze entlang, und wo sie ein unbehütetes Loch finden, stehlen sie sich heimlich hinein.
Genau so machen es unsere Feinde, die unendlich Kleinen. Es genügt, daß sie in der Haut ein Ritzchen finden, flugs sind sie drin im Blut und machen sich mausig. Diese Bolschewiki und Kommunisten unter den ruhigen Bürgern der Bakterienwelt machen die Einwohnerschaft unserer Adern auffässig, predigen den Aufruhr durch die Straßen, halten Versammlungen ab und errichten Barrikaden, bis der Hausherr sie zornig über die Grenze, d. i. durch die Haut in die umliegende Geographie befördert. Sie wehren sich immer noch ein bißchen, machen eventuell beim Überschreiten der Grenze Radau und halten Brandreden, was wir Ausschlag oder Geschwüre nennen, aber wir werden sie glücklich los, wenn wir ihnen systematisch auf den Pelz brennen.
Die Grenzbewohner sind immer an Aufregung gewohnt, bei ihnen wirken sich kleine Reibungen unter Umständen schmerzhaft oder mit Juckbeschwerden aus, ohne daß es im Innern zu fiebern braucht. Genau wie bei der Haut.
Seien wir froh, wenn wir eine sorgfältig behütete Grenze haben, und lassen wir uns keine Seife und keine Pflege verdrießen.