Die a.a. H.H. der Luxemburger Boy-Scouts waren so liebenswürdig, mir eine Einladung zur Einweihung ihres Weelend-Home in Rippig zu schicken.
Ich werde leider nur mit dem Herzen bei ihnen sein können. Das aber sicher.
Wenn die aktiven Boy-Scouts durch die Straßen ziehen, mit der übermütigen Betonung der Freiluftparole, ein wenig Zigeuner, ein wenig Cowboys, ein wenig Freimanrer, Abenteurer, sehr viel Romantiker, ganz und gar überschäumendes junges Blut, das mit eigenherrlicher Disziplin und freiwilliger Pflicht kokettiert, dann fühlen die, die niemals die farbige Scarf getragen haben, sich zu ihnen in einem ganz andern Verhältnis, als ihre Vorgänger, die inzwischen mit gesenktem Blick in das Philisterland zurückgezogen sind. Der Zusammenhang fehlt.
Englischen Ursprungs, sind die Boy-Scouts, aber internationalen Menschtums Geist, eng verwandt zum Beispiel auch mit dem Vereinswesen der akademischen Ingend in Deutschland. Wer in Heidelberg oder Bonn Corpsier oder Burschenschastler war, behält die Einstellung das ganze Leben hindurch. Ähnlich wird es dem Boy-Scout ergehen. Es ist etwas Eigeues um diese selbsterrichteten Schranken, in die sich die Jugend gleichsam vor ihrem eigenen Überschwang rettet. Und es ist wiederum, als ob grade in jenen Jahren die Pfropfreiser der Freundschaft und Treue wie der Abneigung am tiefsten verwüchsen.
Das Alteherrentum, das aus dem deutschen Studentenleben wächst, hat jetzt sein Äquivalent in einem ähnlichen Überbau unseres Scoutismus, der nun feinem englischen Ursprungsland auch die treffliche Einrichtung des Wochenendes entlehnt. Es ist der beste Beweis für die Daseinsberechtigung und die immanente Lebenskraft der Boy-Scout-Bewegung.
„Es waren unsere schönsten Jahre,“ sagen die alten Herren, die daheim noch ihre Uniform und Ausrüstung hängen haben und darauf warten, daß ihr Nachwuchs ins scontpflichtige Alter kommt. Bald wird sich die erwachsene Bevölkerung in Menschen teilen, die ihre fünf, sechs, zehn Jahre Scoutismus hinter sich haben, und solche, die nie Scout waren. Und zwischen beiden wird in seiner Art ein Unterschied sein, wie zwischen Akademikern und - andern. Es bleibt immer wahr: Die beste Erzieherin der Jugend ist die Jugend. Ob sich die Charaktere im Kundschafterzeit oder auf der Kneipe abschleifen, abgeschlissen werden sie immer.
Es begreift sich, daß die, die durch solche pittoreske Erziehung hindurchgingen, später mit Freuden wieder zusammenkommen.
Sie haben sich, wie gesagt, ein Wochenend-Heim in Rippig eingerichtet. Etwas wie ein Ferienhotel, tu dem man allwöchentlich sicher ist, angenehme, gleichgesinnte und fröhliche Gesellschaft zu treffen.
In Rippig! Waldluft weht über das Land, ein wenig aus dem Müllertal, ein wenig aus dem Blumental, ein wenig von der Eruz und ein wenig von der Syr herüber. Schon von Luxemburg aus fährt man mit dem Charly dem Grunewald gradenwegs in den Schoß, Wald und Wässerlein rauschen und plaudern durch dies ganze, frische und urtümliche Stück unserer Heimat. Es ist noch Widerhall der Mosel und es ist schon ein Stückchen Idyll aus Echternachs süßer Verträumtheit. Da also hat der Landsturm der Scouts sich die biblischen drei Hütten in einer gebaut, einem alten Bauernhaus, mit geräumigem Eß- und Gesellschaftszimmer und oben darüber Schlafgelegenheit im Sennhüttenstil.
Alte Herren und Damen sind oft in Berlegenheit, wem sie außerdem noch ein Legat zuwenden sollen, sicher, daß es zweckmäßig verwendet wird.
Wie wäre es, wenn sie so einer zehn-, zwanzigoder dreißigtausend Franken für das WeekendHome der Boy-Scouts in ihr Testament setzten? Oder sogar schon bei Lebzeiten locker machten, damit sie selbst noch dabei sein könnten, wie an einem schönen Fruhlings-, Sommer- oder HerbstSonntag der An- oder Ausbau eingeweiht wurde?