„Alle drei waren erst vor einigen Tagen aus dem Gesängnis entlassen worden.“
Nämlich die drei Einbrecher, die in Esch das Schaufenster einer Kolonialwarenhandlung eingeworfen und aus der Auslage ihren Bedarf gedeckt hatten.
Die Meldung kehrt in ähnlicher Fassung regelmäßig wieder. Immer wieder wurden zum Nachteil eines braven Mitbürgers Wertobjekte unrechtmäßigerweise entführt, und wenn es der Polizei gelang, den Entführer zu sassen, so war er erst vor einigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden.
So weit meine sehr lückenhasten Kenntnisse der heimatlichen Rechtsprechung reichen, handelt es sich hier meist um Zeitgenossen, die vordem unter Aberkennung des Rechtes, Schankwirtschaft zu halten, für einen genau abgemessenen Zeitraum unter Polizeiaufsicht gestellt worden waren.
Es dürfte selten vorkommen, daß einer von ihnen den brennenden Wunsch verspürte, eine Schankstätte zu erössnen. Diese Vorsichtsmaßregel war also Luxus.
Dahingegen zeigt die Erfahrung, daß einige Wochen oder Monate Polizeibeaufsichtigung dieser Randexistenzen vielleicht - vielleicht! - den einen oder andern Stenerzahler vor Schaden behüten könnten.
Meist hat aber die Polizei so viel anderweitig zu tun, daß sie nicht auch noch bei entlassenen Sträflingen Schutzengel spielen kann.
Hier ist es, wo mein Vorschlag einsetzt.
Wir haben unsere Mosel und Sauer entlang einen Hochwassermeldedienst. Wir haben in den Zeitungen eine stehende Rubrik „Wetterbericht“.
Wenn in Metz die Mosel steigt, wissen sie es eine Stunde später von Schengen bis Wasserbillig und können sich vorsehen. Wüßten sie es nicht, so ließen sie das Klavier im Eßzimmer stehen und müßten für nächstes Frühjahr ein neues auschassen.
Wenn über Amerika eine Kältewelle geht, wenn das Azorenhoch sich in Richtung auf uns ausbreitet, so steht es im Wetterbericht und wir sorgen für genügenden Kohlenvorrat und setzen den Ausflug des Kegelklub auf den kommenden Sonntag fest.
Warum follen wir uns nicht gegen wahrscheinlichen Einbruch, Diebstahl, Straßenraub u. s. w. in ähnlicher Weise vorsehen?
Warum nicht hinter dem Wetterbericht eine Rubrik etwa nach folgendem Schema einschalten:
Hente morgen wurden aus dem Gesängnis entlassen: 1. Ladislaus Grippinski, Pole, 23 Jahre, Spezialität Inwelterladen-Diebstähle; 2. Gregori Ruppdikoff, Russe, 27 Jahre, Spezialität Damentaschenraub; 3. Fritz Hurrah, 18 Jahre, Berliner, Spezialität Fassadenklettern; 4. Anton Schrobilius, 40 Jahre, Luxemburger, Spezialität Kaninchen- und Hühnerdiebstähle u. s. w. u. s. w.
Sollte sich die Einrichtung bewähren, so könnte man in Nachahmung des Wochenberichtes der Aachener Wetterwarte die Entlassungen für eine ganze Woche im voraus bekanntmachen. Eventuell mit kurzer, aber tressender Personalbeschreibung der pp. Freiheitskandidaten.
Es wäre dadurch jedem einzelnen Bürger die Möglichkeit gegeben, dem ersten Auprall der seindlichen Mächte durch erhöhte Vorsicht zu begegnen.
Fänden die Entlassenen konsequent während einiger Wochen geschlossene Türen mit entsprechenden Abwehrgeräten dahinter, als da sind Gummiknüppel, Brownings u. s. w., so würden sie dadurch vielleicht allmählich in die Bahn ehrlicher Arbeit gedrängt, und die Neuerung könnte ungeahnte sozialethische Auswirkungen zur Folge haben.
Oder zeihen Sie mich ntopischer Weltverbesserungsvelleität?